Sonntag, 25. Juni 2017

Privatheit im Netz: Kinderfotos von fremden Kindern


Privatheit im Netz mein herzensthema auf Runzelfuesschen - Heutiges Thema: Kinderfotos von fremden Kinder


Vor einigen Wochen war ich auf der Bloggerveranstaltung "denkst". Ich war als Speakerin eingeladen, zu meinem Herzensthema "Privatheit im Netz". Da es danach weiter in unseren Urlaub ging, hatte ich natürlich meine Familie im Gepäck. Und wir nahmen uns Zeit und entdeckten Nürnberg gemeinsam.
Wir liefen also durch die Fußgängerzone und das Runzelfüßchen erblickte einen Straßenkünstler, der mit einer Marionette und Musik wirklich traumhafte Szenen spielte. Meine Dreijährige war ganz gepannt und ich konnte sehen, wie sehr sie plötzlich in dieser Traumwelt war, in der eine kleine Puppe mit ihr an einem Luftballon gekettet zum Himmel flog.

Mann fotografiert Kinder


Ich war selbst ganz gefesselt, kniete neben meiner Tochter und genoß den Moment. Bis ich aus dem Augenwinkel sah, wie ein Mann sein Handy auf uns richtete. Ich weiß nicht ob er filmte oder fotografierte, ich weiß nur, dass es mich gewaltig störte. Der Mann schwenkte mit der Kamera wieder um und hielt auf einen kleinen Jungen drauf, auf der anderen Seite von unserem Plätzchen. Dieser Bub sprang dann auf den Mann zu, offensichtlich war es sein Vater. Und der Mann, der wollte eben den Moment einfangen, die Magie die die Kinder da erlebten irgendwie auch festhalten.



Keine Fotos von meinen Kindern


Mir aber brach der Schweiß aus. Ich überlegte: Gehe ich da jetzt hin und stell den Mann zur Rede? Wieso fotografiert /filmt der überhaupt meine Tochter? Was soll denn das? Ich war hin- und hergerissen und während ich noch überlegte, waren Vater und Sohn plötzlich weg. Und ich blieb zurück. Mit Wut und einem ungutem Gefühl im Bauch. Nicht, weil ich denke, dass dieser Mann irgendwas Unanständiges mit dem Bildmaterial anfängt. Ich weiß, dass das ja gern als Totschlagargument in dieser "Kinderfotos im Netz"- Debatte genutzt wird. Das mag richtig sein, aber es ist nicht mein größtes Problem.

Das Recht am eigenen Bild


Mich stört einfach massiv diese Grenzverletzung. Denn es ist mein Recht am eigenen Bild, Also beziehungsweise das vom Runzelfüßchen. Solange wie sie das noch nicht selbst ausüben kann, mache ich das stellvertretend für sie. Und das bedeutet für mich: Ich schütze sie davor auf fremden Fotos zu sein. Irgendwo im Internet aufzutauchen. Bei mir unbekannten Menschen auf dem Bildschirm.
Dabei gehe ich, das weiß ich, viel weiter als die meisten Leute. Ich spreche Fotografieverbote aus, auch auf dem Spielplatz. Ich rede mit Menschen darüber, versuche sie zu sensibilisieren. Ich untersage es, Fotos von meinen Kindern oder mir über WhatsApp zu verschicken, einen Messengerservice, den ich selbst nicht nutze.

Kinderfotos im Netz - heute doch ganz normal


Viele Leute, auch viele in meinem Bekanntenkreis halten mich für verrückt, wenn es um Fotos meiner Kinder geht. Sie finden, dass ich übertreibe, dass es doch inzwischen normal sei auf Facebook, WhatsApp oder Blogs Kinderfotos zu teilen. Dass schon nichts passieren wird. Mir fehlt dieses Vertrauen. Es muss ja auch nichts Schreckliches geschehen, diese Angst habe ich gar nicht.
Ich möchte nur, dass meine Kinder fototechnisch undokumentiert aufwachsen. (Über die Dokumentation unseres Alltags auch in Form dieses Blogs schreibe ich ein anderes Mal).
Ich weiß nicht, was meine Kinder später mal werden wollen. Ich weiß nur, dass es nicht schon 1000 Fotos von ihnen im Netz geben soll, bevor sie sich selbst dazu entschließen. Dass andere, vor allem Blogger_innen das anders machen, weiß ich natürlich. Und verurteile das überhaupt nicht. Denn: mein Weg ist mein Weg, nicht der, den andere gehen sollen. Mir geht es nicht um richtig oder falsch im Umgang mit (Kinder)fotos im Netz, mir geht es um die fehlende Sensibilität im Umgang mit Fotos fremder Kinder.

Fehlende Sensibilität für die Rechte anderer


Ich gehe in der Tat soweit, dass ich Menschen, die offensichtlich Fotos von uns machen, anspreche. Ich gehe hin und verbiete es ihnen schlicht. Und komme mir dabei jedes Mal dämlich vor. Weil die Leute dann argumentieren "aber deine Tochter ist so niedlich, schau mal!" Oder mir erklären, wir wären da ja nur ein kleines bißchen drauf zu sehen. Oder mein Sohn, der hätte so lustig geschaut, das würde die Mutter von XY auch ganz brennend interessieren. Oder meine Tochter sie nur zufällig mit auf dem Foto, der Spielplatz eben ein öffentlicher Ort.

Kinderfotos von fremden Kindern


Klar ist ein Spielplatz ein öffentlicher Raum. Eine Fußgängerzone auch. Aber das Recht am eignen Bild gebe ich deswegen ja nicht ab. Und wenn jemand sein Kind fotografieren will, dann bitte so, dass meine Kinder oder ich da nicht mit drauf sind. Das führt mit unter zu schwierigeren Bildauschnitten, man mus erfinderisch werden und es dauert auch länger als der schnelle Klick auf den Auslöser. Aber ich mache das schon immer so. Ich schütze andere Familien und erwarte das einfach auch für mich.

Könnt ihr euch vorstellen wie anstregend diese Gerpäche sind? Sie ermüden mich oft, auch, weil ich nicht verstehe, dass ich soweit weg von der offensichtlichen Norm bin.


Das Thema: (Kinder)fotos im Netz ist für mich eines der wichtigsten überhaupt, weswegen ich euch zukünftig gern mehr dazu berichten will.

Wie handhabt ihr das denn?

Kommentare:

  1. Wir halten das genauso. Die meisten unserer Freunde finden das gut und richtig, ebenso meine Familie, ausgenommen die Schwiegereltern. Die sagten schon zu mir, das sei nicht normal, dass wir keine Fotos per Handy schicken. Schließlich würden das ja alle machen. Wir lassen regelmäßig Bilder vom Baby entwickeln und bringen Sie zum Kaffeeklatsch mit, manchmal sogar gerahmt. Leider wissen die es gar nicht zu schätzen, welche Arbeit wir uns da machen, dass wir das auch bezahlen.

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  2. Oh wie wahr!
    Ich fotografiere gern und viel und halte auch oft einfach drauf. Dabei mache ich mir wenig Gedanken, wer mit auf dem Bild ist. Aber das liegt vor allem daran, dass Kinderfotos für mich wirklich privat sind.

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  3. Ich finde deine Haltung dazu ganz wunderbar. Ich fotografiere meine Kids auch viel aber nie nie so, das andere mit drauf sind. Sehe ich, das mir doch ein fremder Mensch ins Bild gelaufen ist dann lösche ich das Foto sofort. Obwohl die Fotos nur für meinen privaten Gebrauch sind. Aber ich möchte ja auch nicht bei Hinz und Kunz im Fotoalbum kleben. Ich finde das ist einfach eine Sache der persönlich definierten Privatsphäre.
    Das Wort und seine Bedeutung scheinen viele ja heute gar nicht mehr zu kennen.

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  4. Ich verstehe Deine Haltung sehr gut! Auf öffentlichen Plätzen versuche ich so gut es eben geht, keine fremden Kinder abzulichten (auf dem Spielplatz manchmal eine Herausforderung ;) ). Wenn fremde Menschen meine Kinder direkt fotografieren, würde ich etwas sagen. Wenn eines irgendwo im Hintergrund zu sehen ist wäre es für mich nicht so schlimm. Ausnahme: Schwimmbad. Neulich hat eine Mutter vor dem Schwimmkurs Fotos gemacht. Ich wollte sie nicht vor der ganzen Gruppe ansprechen, aber als die Kinder in der Halle waren, war das Bild bereits verschickt. Da habe ich mich doch geärgert. Die Mutter könnte meine Bedenken gar nicht verstehen.
    Was hast Du für Reaktionen bekommen?

    Viele Grüße
    Nala_verstrickt

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  5. Hallo! Ich bin weder bei instagram, noch bloge ich und bei fb bin ich sowieso nicht. Nie würde ich private Bilder von meinen Kindern oder mir im Internet posten. Allerdings sehe ich kein Problem, wenn jemand irgendwas fotografiert (also nicht mein Kind) und das hinten links irgendwo halb durchs Bild latscht. Soweit ich weiß, ist das rechtlich auch unproblematisch. Es geht ja vielmehr um gezielte Aufnahmen/grossformatige Aufnahmen etc. Wenn man den Kölner Dom fotografiert hat man ja auch haufenweise Leute inkl. Kinder mit drauf. Noch dazu werden Deine Kinder größer und dann kommen sie vielleicht mal in der Zeitung. Auf der Einschulungsfeier meiner Tochter war die Presse und hat stellvertretend für alle Einschulungen an diesem Tag einen Artikel gebracht. Unsere Tochter war gut zu erkennen auf der Titelseite der Zeitung und auch in der Onlineausgabe. Wir wussten das nicht. Keine Ahnung was man da hätte tun können. Aber es war okay. Es war ein schöner Tag, ein schöner Artikel und ein schönes Foto. Wie willst Du sowas verhindern? Dass Fremde gezielt Fotos von anderen Kindern machen finde ich jedoch auch daneben.
    VG von Anni.

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  6. Hallo!
    Mir ist die Privatsphäre anderer und unsere eigene auch ganz wichtig!
    Auf meinen Blog gibt es Fotos von Händen, Füßen, Menschen ohne Kopf/ Gesicht, von hinten und auch Schattenbilder...
    Es macht mir riesig Spaß, so zu fotografieren. Mrs. Columbo nennt mich eine befreundete Bloggerin deshalb, in Anlehnung an die Fernsehserie ;o)
    Meine Söhne sind erwachsen, 26 + 21 Jahre alt. Wenn ich jetzt (z. B. zum Geburtstag) Babyfotos von ihnen posten will, frage ich sie vorher. Diskretion ist ein Gut, dass in unserer Zeit immer mehr verloren geht.
    Natürlich gibt es Fotos meiner kleinen Kinder auf dem Spielplatz mit Freunden. Das sind schöne Erinnerungen für alle Beteiligten, die niemand missen möchte. Selbstredend lade ich die nicht ins Netz. Bestimmt gibt es umgekehrt auch Kinderfotos meiner 2 auf den Bildern dieser Freunde. Ich bin froh, dass das Thema, als es uns betroffen hat, noch nicht so heiß war, wie heute.
    Aber a pro pros, da wäre dann wieder die Frage, nach dem Blognamen, bzw. dem Nickname deiner Tochter. Von Klassenkameraden Runzelfüsschen genannt zu werden, kann spätestens in der Pubertät ganz schön lästig werden...
    Ein schönes Wochenende,
    Claudiagruß

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