Dienstag, 27. Juni 2017

Papa bloggt: Über falsche Meilensteine

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Als junge Eltern wird man von Verwandten, Bekannten und Familie viel gefragt: wie geht es den Kindern? Wie geht es euch? Manchmal sind die Fragen konkreter und es wird nach den Meilensteinen gefragt. Dabei sind es keine Meilensteine wie "kann das Baby sich drehen oder sagt es schon "Mama" oder "Papa"? Eher geht es um die drei "großen" Fragen: Schläft das Baby schon durch? Will das Baby noch an die Brust? Schläft das Kind alleine im Zimmer? 

Schläft das Kind durch?


Ich finde die Frage nach der Nachtruhe noch am unverfänglichsten. Gerade kurz nachdem Herr Annika auf der Welt war, war das Schlafen für unsere junge Familie nicht gerade einfach. Auch das Runzelfüßchen war anfangs ein Baby, was in den ersten Monaten sehr oft wach war während der Nacht. Kleine Babys haben noch richtigen Nachtrhythmus und dieser pendelt sich irgendwann ein. Aber es gibt da, zumindest nach meiner Erfahrung mit unseren zwei Kindern, keinen festen Zeitpunkt. Während das Runzelfüßchen nach zwei Monaten durch schlief, lässt sich Herr Annika dafür ein wenig länger Zeit. In der Zwischenzeit lernte er sich zu drehen, krabbeln, stehen, Worte brabbeln, essen und im Moment gerade laufen. Durchschlafen war bislang nicht dabei, was sehr wohl sehr anstrengend ist, aber es scheint wohl auch keinen Automatismus zu geben, dass Babys einfach nach einer bestimmten Zeit durchzuschlafen haben. Wir können ihn ja auch nicht zwingen. Meinem Sohn selbst ist es scheinbar herzlich egal, ob er durch schläft oder nicht.


Stillst Du noch das Baby? Oder stillt Deine Frau noch?


Das ist wahrscheinlich die Frage zu der ich selbst am wenigsten eigene Erfahrungen habe. Nichtsdestotrotz geht die Frage auch manchmal an mich, allerdings ob meine Frau noch stillt. Manchmal schwingt da auch ein wenig erhobener Zeigefinger mit, wenn die Betonung auf dem "noch" liegt. Stillen ist toll für das Kind und irgendwie soll das auch jede  Mutter tun, aber dann bitte auch wieder sehr bald aufhören. Zumindest habe ich das Gefühl, dass eine Frau, die bei der Stillzeit sich an den Empfehlungen der WHO oder der Nationalen Stillkommission orientiert, sich eher rechtfertigen muss als eine Mutter, die nach 6 Monaten abstillt. Dabei sollte jede Frau selbst entscheiden, ob und wie lange sie stillen will. 

Schläft das Kind schon im eigenen Zimmer?


Ich habe irgendwo gelesen, dass die Deutschen gerne ihre Babys nach einem Jahr in ein eigenes Zimmer ausquartieren oder umziehen. Auch in meinem Bekanntenkreis haben das viele so gemacht und finden das vollkommen ok so. In anderen Kulturen wird das oft anders gehabt, aber wir leben ja in Deutschland. Wegen mir kann das auch jeder handhaben wie er/sie möchte. Ich finde es nur schade, wenn Eltern irgendwas machen, weil es andere so machen.  
Unsere Kinder schlafen noch in unserem Schlafzimmer. Und unsere Kinder dürfen solange bei uns schlafen wie sie wollen und solange das auch ok für uns Eltern ist. Für viele andere Menschen ist das teilweise schwer zu verstehen. Kinder müssen doch spätestens nach einem Jahr ein eigenes Zimmer haben. Aber wer sagt das denn? Aber die Frage wird trotzdem gestellt. Schläft eure Tochter denn im eigenen Zimmer? Schläft das Baby noch bei euch? 
Vor allem junge Eltern können denken, sie machen etwas falsch, wenn das Baby nicht nach drei Monaten durch schläft, nach sechs Monaten abgestillt ist und nach zwölf Monaten nicht im eigenen Zimmer übernachtet. Dabei ist es wichtiger, auf sein eigenes Gefühl und das Kind zu achten als auf irgendwelche falsche Meilensteine zu setzen. 

Wie geht ihr mit Erwartungen zu stillen, durchschlafen und eigenes Zimmer um?





Kommentare:

  1. Immer diese Erwartungen ...
    Gerade die Frage mit dem Durchschlafen finde ich völlig überbewertet. Inzwischen betone ich immer ganz gern, was ich unter durchschlafen verstehe und dass es mal so, mal so klappt. Und dass er natürlich nachts noch nach Kontakt sucht und stillt. Weil es so schön einfach ist, für alle Beteiligten.
    Da wären wir auch schon beim Stillen. Ich stille ihn (20 Monate) noch nach Bedarf und hallo - wehe eine*r redet mir da hinein. Er brauchts, ich finds gut, also warum die Aufregung?
    Und eigenes Zimmer? Zum Spielen bzw. zum Aufbewahren von Wickeltisch und Spielzeug, sehr gerne, aber für alles andere steht die ganze Wohnung zur Verfügung. Er befindet sich eh immer in dem Zimmer, in dem sich auch Eltern(teile) befinden. Schlafen ist demnach auch bei uns im Bett.
    Ich muss dir recht geben und finde es ebenfalls sehr schade, dass man in so einem Fall schräg angeschaut wird und alles andere als "normal und okay" abgesegnet wird. Die Gesellschaft sollte, aber nicht nur hier, auch in vielen anderen Bereichen, mehr Vielfalt zulassen bzw. respektieren.

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  2. Ich finde es auch immer schlimm wenn an Babys/Kleinkinder Erwartungen gestellt werden, nur weil es halt so sein sollte. Anfangs ließ ich mich tatsächlich davon beeinflussen, ich wusste es nicht besser. Später gingen wir unseren eigenen Weg und sind glücklich damit. Unsere Tochter wurde nur ein paar Stunden gestillt weil es nicht klappte, sie schlief sehr schnell durch (wobei ich das Durchschlafthema eh nicht mag, weil kein Mensch DURCHschläft, selbst Erwachsene nicht, grins) und sie schläft mittlerweile wieder in unserem Zimmer im Familienbett. Ich finde jede Familie sollte das so handhaben wie es für sie selbst stimmig ist. Nicht weil es wo geschrieben steht. Liebe Grüße, Nicole.

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  3. Also unsere Maus darf so lange bei uns im Bett schlafen, wie sie möchte.... wir stillen so lange es uns beiden damit gut geht und ein eigenes Zimmer gibt es erstmal nicht... evtl Bodenbett im Schlafzimmer.

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  4. Oft sieht man nur, wie es bei anderen Familien läuft, aber aus welchem Grund es so läuft, sieht man nicht.
    Eigenes Zimmer: Unsere Tochter schläft schon seit sie sieben Monate alt ist in einem Bodenbett in ihrem eigenen Zimmer. Aber nicht, weil wir sie ausquartiert haben, sondern weil sie in unserem Schlafzimmer nicht mehr schlafen konnte. Anscheinend störten wir sie bei ihrer Nachtruhe, egal wie leise wir waren. Seit sie in ihrem eigenen Zimmer schläft, schläft sie tiefer und länger und ist am nächsten Tag erholter und fröhlicher.
    Durchschlafen: Durch schläft sie allerdings auch jetzt am alter von zwei Jahren noch nicht wirklich. Mal einzelne Nächte, auch mal mehrere Nächte hintereinander, aber es kommen immer wieder Phasen, in denen Sie mindestens einmal pro Nacht wach wird und unbedingt ein Fläschchen trinken will. So sehr es uns Eltern manchmal nervt, nachts aufzustehen, wollen wir sie nicht zwingen oder drängen, sondern ihr die Zeit geben, von selbst einen durchgehenden Nachtschlaf zu entwickeln.
    Stillen: Unsere Tochter wurde nie gestillt. Nicht, weil wir es nicht wollten, sondern weil es aus verschiedenen Gründen nicht geklappt hat. Wir haben es ihr also nicht so schnell wie möglich abgewöhnt, sondern mussten darauf verzichten.
    Wenn man jetzt von außen auf unsere Familie schaut, sieht man ein Kind, das nicht gestillt wird, im eigenen Zimmer schläft, aber nicht zuverlässig durchschlafen kann.
    Ich denke, egal wie man es macht, es wird immer Leute geben, die einen wegen irgendetwas schräg anschauen. Sich daraus nichts zu machen und nicht auf die Erwartungen anderer einzugehen ist manchmal nicht leicht. Und wie Nicole schreibt, sollte jede Familie es so handhaben, wie es für sie selbst stimmig ist.
    Peter

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