Sonntag, 16. Dezember 2018

Wunschlos, aber glücklich



Gestern hatte ich Geburtstag. Und bald ist Weihnachten. Während ich also für alle anderen, für die Kinder, meinen Mann, die Verwandten die Geschenke besorge (was ich zum Glück das ganze Jahr über mache, so dass das an Weihnachten nicht mehr so stressig ist), da bleibe ich irgendwie auf der Strecke.
Also so, dass es mir eigentlich nicht auffällt. Denn ich hab ja alles, was ich mir so wünsche. Es geht uns gut, und ja, Gesundheit ist das, was für mich extrem wichtig ist. Wenn ich einen ganz großen Wunsch hätte, dann würde ich mir den vermutlich auch selbst erfüllen können.
Aber wie ist das so mit Herzenswünschen? Habe ich überhaupt einen?

Kettenbrief-Wünsche


Ich komme darauf, weil ich letzte Woche bei einer Freundin auf eine Idee gestoßen bin. Es ging darum, dass man einander eine Freude macht. Weil das wie eine Art Kettenbrief funktioniert kennt man die beschenkte Person aber vermutlich nicht. Aus diesem Grund sollte man dazu schreiben worüber man sich freuen würde, so grob gefasst, dass irgendwie die Möglichkeit besteht etwas passendes zu finden.
Ich wollte eigentlich gern mitmachen, denn ich finde es schön anderen eine Freude zu machen.

Keine Wünsche, denn keine Zeit


Aber mir fiel (und fällt!) nicht ein was mein Wunsch sein könnte. Tatsächlich grübele ich seit Tagen darauf rum und muss feststellen: In meinem Leben mit drei kleinen Kindern ist irgendwie kein Platz für mich. Das klingt hart, es ist auch hart das so aufzuschreiben. Es zu denken und, ja, auch zu fühlen. Das ist nicht schön. Ich habe keine Wünsche, weil ich überhaupt keine Zeit habe auf mich zu achten. Ich bin nur und ausschließlich damit beschäftigt mich um die Kinder zu kümmern. Klar, so ein Baby ist herausfordernd, dazu ein Zweijähriger mitten in der Autonomiephase und eine Fünfjährige die gerade auch nicht so richtig weiß wohin mit sich.




Fehlende Wünsche zeigen Erschöpfung


Das ist viel, und es ist normal, wir alle suchen gerade unseren (neuen) Platz in der Familie. So weit, so klar. Und ja, ich weiß, meine Wünsche werden schon wieder kommen. Spätestens in zwei, drei Jahren, wenn die Kinder nicht mehr ganz so klein sind. Wenn sie mehr um sich und weniger um mich kreisen. Ja, ja, ja!
Aber darf ich ehrlich sein? Das nützt mir für den Moment gar nichts.
Ich glaube es sagt schon ziemlich viel aus, darüber wie es hier gerade läuft, wenn ich von fehlenden Wünschen schreibe. Dass ich sie nicht habe liegt nicht daran, dass ich keine hätte. Ich bin sicher, wäre ich entspannt und alles irgendwie im Fluss, mir würden Dinge einfallen. Nicht mal unbedingt materieller Natur, aber Ausflüge, Erlebnisse, irgendwas nur für mich. Denn alles woran ich im Moment denken kann sind Sachen die wir als Familie machen können.

Gibt es mich noch ohne Familie?


Versteht mich nicht falsch, ich verbringe sehr gern sehr viel Zeit mit meiner Familie, dafür habe ich sie ja schließlich auch. Aber ICH, also ich als Einzelperson, ich bleibe da irgendwie gerade auf der Strecke. Und ich weiß, ihr gebt mir bestimmt gern viele Tipps wie ich das ändern kann. Aber lässt sich das alles wirklich umsetzen mit einem drei Monate alten Baby, dass partout nichts anderes möchte als Körperkontakt (und zwar immer, wirklich immer), dass cluster gestillt  wird und sich mit Papa jetzt eher nicht zufrieden gibt?
Ich denke nicht. Und ich glaube auch nicht, dass das etwas mit übertriebenem Anspruch an mich selbst zu tun hat, was ja Müttern oft vorgeworfen wird.
 

Wenn ich ehrlich bin, dann macht mich das traurig, meine eigene Wunschlosigkeit. Weil sie eben ein Ausdruck für etwas ganz anderes ist.

Kennt ihr solche Gedanken auch? Oder habt ihr ganz viele Wünsche?

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