Dienstag, 30. Oktober 2018

Kinder und der Tod




Ich hatte es ja schon angedeutet, bei uns ist das Thema Tod leider gerade sehr präsent. Denn unsere Katze ist gestorben.
Und das ist nicht nur für mich schlimm, sondern auch für die Kinder. Weil sie zum ersten Mal die Erfahrungen machen wie das ist wenn plötzlich jemand fehlt.

Fast 17 Jahre war sie bei mir, die Katze. Eine sehr lange Zeit. Und auch ein sehr langes Katzenleben. Ich weiß das, und ich weiß auch, dass es für sie das Beste war zu sterben. Das hilft aber nicht gegen die Trauer.
Obwohl, wenn ich ehrlich bin, soviel Zeit für Trauer ist da nicht. Denn die Kinder trauern und da muss ich meine eigene Traurigkeit hintenanstellen. Das ist etwas, dass ich so nicht erwartet hatte.



Alte Katze stirbt


Die Katze wurde im letzten halben Jahr zusehens älter. Ihre Agilität ließ nach, sie wollte nicht mehr wirklich kuscheln. In den letzten Wochen aber hat sie massiv abgebaut. Sie ging nicht mehr an ihren Futternapf.
Die Kinder beobachteten das, genau wie wir und kamen zum Entschluss: Wir füttern die Katze auf dem Sofa. Nur bei der Erinnerung daran wie das Runzelfüßchen los lief und Trockenfutterkrümel in ihrer Hand zur Katze transportierte um ihr die einzeln anzureichen kommen mir schon wieder die Tränen.

Kinder kümmern sich um alte Katze


So bekam sie das Futter auf der Couch, auch ihr Wasserschälchen stellten wir auf einen Tisch, so dass sie sich nur noch zur Toilette bewegen musste. Das tat sie kurze Zeit später nicht mehr. Von einem Tag auf den anderen war sie nicht mehr in der Lage die Couch hochzuhopsen, sie schlich eingeknickt durch die Wohnung. Wir legten sie aufs Sofa, sie kippte beim Versuch sich auf unseren Schoß zu setzen mehrfach um.
Ich rief bei der Tierärztin an und bekam einen Termin. Sie wollte sich die Katze ansehen, bereitete mich aber darauf vor, dass wir sie eventuell gleich dort einschläfern würden. Ich sagte das auch so den Kindern die sich daraufhin sehr sehr lange von ihr verabschiedeten. Wir machten Fotos, sie kuschelten und erzählten dem Tier wie gern sie es hatten.

Die Katze einschläfern lassen


Dann ging ich zum Tierarzt, mit dem Baby und meinem Mann. Die Tierärztin machte uns keine Hoffnung, die Katze lag im Sterben. Mir blieb die Wahl zuhause abzuwarten oder das Leid an Ort und Stelle zu beenden. Eine unglaublich schwere Entscheidung. Die Beruhigunsspritze nahm die Katze, die sich IMMER gegen jede Untersuchung gewehrt hatte ganz gelassen hin. Die Ärztin hatte uns darauf vorbereitet, dass es einige Minuten dauern kann bis das Mittel wirkt, die Katze hätte aber keine Schmerzen. Unser Stubenkater war innerhalb weniger Sekunden verstorben. Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war. Das Tier hatte keine Kraft mehr, sie war alt und krank und im wahrsten Sinne des Wortes lebensmüde.

Kindern den Tod eines Haustieres erklären


Und doch weinte ich natürlich viel. Sie war fast 17 Jahre meine treue Begleiterin gewesen. Wir nahmen sie von der Tierärztin mit nach Hause, wir würden sie auf dem Grundstück der Großeltern vergraben. Die Ärztin gab uns noch jede Menge Tipps wie wir den Tod der Katze den Kindern erklären sollten. Den vielleicht wichtigsten Tipp teile ich gern mit euch: Erzählt den Kindern nicht, dass das Haustier nur tief schläft. Kinder halten den Tod aus, manchmal besser als Erwachsene.
Als die Beiden dann nach Hause kamen, fragten sie sofort nach der Miez. Ich erklärte, dass sie in dem Karton sei. Sofort liefen beide hin, wollten das Tier streicheln und anschauen.

Grab für die Katze bemalen


Ich war überrascht, denn ich hatte irgendwie mit mehr Zurückhaltung gerechnet. Aber im Gegenteil. Die tote Katze lag in der Kiste, die Kinder streichelten sie und fragten, ob sie die Kiste für die Beerdigung bunt anmalen können, so als letzte Wegbegleitung. Und das taten sie. Sie schenkten ihre schönsten Aufkleber her, streichelten das Tier, tranken Tee und alles war ganz natürlich. Das hat mich enorm überrascht, diese Natürlichkeit im Umgang mit einem verstorbenen Haustier.

Kinder und verstorbene Haustiere


Aber schön war es, das zu sehen. Vielleicht sind wir Erwachsenen da einfach zu scheu? Die Kinder sprachen mit der Katze, streichelten sie und irgendwann klappten sie die bunt verzierte Kiste zu und sagten "Tschüß".
Seit dem fragen sie oft nach dem Tier, es ist in ihrem Köpfen sehr präsent. Wir haben viele Fotos ausgedruckt und ein Album gemacht. Sie sprechen im Kindergarten ganz viel darüber und jedes Besuchskind tröstet mich und erklärt mir, dass ich ja irgendwann eine neue Katze haben kann.

Trost bekommen


Mein Sohn fragt mich oft ob ich traurig bin und mit ihm das Fotoalbum anschauen möchte. Und dann nimmt er mich in den Arm und sagt: "Mama, ich bin auch traurig. Ich hab die Katze lieb." Dann bin ich doppelt traurig.
Und doch, mit drei kleinen Kindern haben sich meine Prioritäten verschoben. Statt selbst wirklich viel zu trauern achte ich auf meine Kinder, bin für sie da.

Gefühle zulassen


Ich befürchtete, dass die Gespräche über das tote Haustier komisch, unangenehm, traurig werden könnten. Und natürlich ist das auch Trauer. Aber auch ganz viel Liebe und Lachen und Erinnern. Das habe ich so nicht erwartet und freue mich darüber, dass meine Kinder so offen sind und alle ihre Gefühle zulassen und ausdrücken.

Ist bei euch schon mal ein Haustier gestorben? Wie seid ihr und eure Kinder damit umgegangen?

Kommentare:

  1. Hey. Schön wie ihr damit umgeht!
    Ich bin auch mit Katzen aufgewachsen. Als unsere erste Katze starb war ich in der Grundschule. Sie hatte sich bei einer findelkatze, die ich zum Geburtstag bekommen hatte, mit katzenseuche angesteckt. Erst starb die kleine dann unsere alte Katze, mit der ich aufgewachsen war. Das war sehr hart und ich kann mich noch gut an die Phase erinnern, die du auch beschreibst, wo das Tier sich nicht mehr bewegen kann. Eines Tages wurde ich von meinem Vater aus dem Schulunterricht geholt und durfte mit zum einschläfern fahren. Da bin ich ihm immer noch dankbar für. Ich glaube, es ist ganz wichtig die Kinder ernsthaft einzubeziehen! Jetzt haben wir auch zwei Katzen und zwei Kinder, die hoffentlich noch ein paar Jahre zusammen leben dürfen. ☺️ Alles Gute für euch!��

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  2. Unsere Hündin - ein Schäferund, und ich wollte eine Katze... - sie bekam Krebs.
    Aufgrund der Schmerzen wurde sie so aggressiv, dass ich mich nicht mehr zu ihr traute, sie war "erst" 9 Jahre alt.
    Ich war zu jung, den Tierarzt zu holen, um sie friedlich einschlafen zu lassen, sie starb an schlimmen Schmerzen und das tut mir noch heute so sehr unendlich leid.
    Wir haben sie nicht begraben. Sie wurde wer weiß wohin gebracht. Über den Tod/die Krankheit/die Schmerzen oder den Verlust haben wir als Familie nie gesprochen.
    Gut zu lesen, dass es heute anders ist/sein kann.

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  3. Ich denke zur Zeit viel über den Tod nach. Mein Papa ist dieses Jahr 80 geworden, meine Mama 71, sie haben Goldhochzeit gefeiert. Habe große Angst vor dem Verlust. Unsere Katze ist 18 Jahre alt, sie hat auch sehr nach gelassen. Fühle also sehr mit Dir.

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