Freitag, 9. März 2018

Vom eigenen und fremden Standpunkt



Neulich las ich irgendwo, dass eine Familie eine Urlaubsreise planen wollte, sich dann aber doch nicht recht traute, weil die Kinder ja so klein seien und der Flug drei Stunden dauern würde und dann noch der Transfer und überhaupt und sowieso. Mein erster Impuls, auch, nachdem wir eben gerade 15 Stunden unterwegs waren um nach Thailand zu kommen war: Na, da stellt sich aber jemand an. Und eine Sekunde später dachte ich: Stopp, Andrea, du hast überhaupt gar kein Recht dazu, darüber zu urteilen. Jede_r von uns lebt sein und ihr Leben so, wie es eben ist. Und während ich mit Flugangst und Bammel wie der Flug wird zwar auch einen Langstreckenflug mit den Kindern in Angriff nehme, trauen sich andere das eben nicht. Und das ist überhaupt nicht schlimm. Ich fahre dafür nie, nie, nie mit dem Auto. Das machen vermutlich aber 90 Prozent aller anderen Mütter.

Situationen bewerten



Ich merke schon auch, dass ich, ob ich will oder nicht, Situationen bewerte. Es ist irgendwie so ein Impuls, dass Sachen nicht einfach sein können, sondern von mir eingeordnet werden müssen. Dabei ist das doch Quatsch. Neulich sprach ich mit einer Mutter, die Erzieherin im Kindergarten ist und nun also einen zweifachen Blick auf Eltern und Kinder hat. Und auch sie meinte zu mir, dass es natürlich nicht so einfach ist immer vorurteilsfrei zu sein. Es war bei ihr ein Prozess in dem sie gelernt hat erstmal zu schauen wo die Eltern gerade stehen. Und dann zu akzeptieren, dass viele Wege nach Rom führen.


Immer schauen was die anderen machen


Ich empfinde diesen ersten Impuls Dinge zu bewerten ehrlich gesagt als anstrengend. Als menschlich, aber anstrengend. Denn meine Lebenszeit ist doch eigentlich zu kostbar um sie damit zu verbringen zu schauen was andere gerade wie machen. Und doch bin auch ich nicht frei davon. Im Alltag fällt mir das weniger auf, vielleicht mache ich es da weniger offensichtlich? Da lasse ich öfter alles an mit abprallen und denke: Es ist deren Leben, nicht meins, die sollen mal machen wie sie denken.



Im Urlaub kritischer



Hier im Urlaub aber, da eben schon. Wenn ich sehe wie Eltern ihren Kleinkindern beim Frühstück das Tablet oder Handy in die Hand drücken, damit sie selbst in Ruhe Kaffee trinken können, dann bewerte ich das. Und nicht gut. Wenn ich höre wie andere Eltern ihre Kinder anschreien, dann bewerte ich das. Dabei kommt es natürlich auch vor, dass ich, nach einem langen Tag mit überdrehten, übermüdeten Kindern und der 100sten Bitte jetzt doch endlich mal aufzuhören auf dem Geländer herumumzutanzen, meine Bitte eher wie ein Befehl klingt.
Das widerrum bewerten dann andere, was mir aber herzlich egal ist, weil ich da nach dem Motto verfahre: Mein Leben, meine Entscheidung. Auch komisch, oder? 

Wie ist das denn bei euch? In welchen Situationen beurteilt ihr andere Eltern? Und warum machen wir das eigentlich?

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