Donnerstag, 8. Februar 2018

Meine Kindergartenzeit - Erinnerungen an früher



Am Wochenende fragte das Runzelfüßchen nach meiner Zeit im Kindergarten. Und so erzählte ich, von den Freundinnen und Freunden, an die ich mich noch erinnere, von der Erzieherin (die damals von allen Kindergärtnerin und nicht Erzieherin genannt wurde) und wie das damals so war. Und während ich berichtete, merkte ich, wie in meinem Kopf  Bilder entstanden und das, was ich eigentlich als schön in Erinnerung hatte, beim Erzählen gar nicht mehr so schön war.

Es hat mir geschadet


Das Gute daran: Als Kind beurteilt man die Situation ganz grundsätzlich anders. Da macht man mit. Ich war glaube ich ein sehr meinungsstarkes Kind (daran hat sich bis heute nichts geändert) und so werde ich sicher auch damals das eine oder andere Mal angeeckt sein. Das ist in meinen Augen trotzdem kein Grund für Maßregelungen aller Art.
Vielleicht rege ich mich auch deswegen über den Satz "das hat mir auch nicht geschadet" so auf, weil ich sagen kann: Mir hat das geschadet. Allerdings auch nicht alles, ich kann es nur an einem Punkt, dem Essen MÜSSEN fest machen.



Erfahrungen im DDR- Kindergarten


Ich bin ein DDR-Kind und ging mit einem Jahr zuerst in die Kinderkrippe, ab drei Jahren dann in den Kindergarten. An die erste Zeit habe ich keinerlei Erinnerungen und auch an die Kita kann ich mich nicht in vollem Umfang erinnern. Ich weiß nur: Ich bin da sehr sehr gern hingegangen, weil meine Freundinnen und Freunde da waren, weil ich meine Haupterzieherin mochte, weil es eben so war. Es gab aber Dinge, die ich richtig doof fand.

Zwang zum Mittagsschlaf in der Kita


Was ich nicht leiden konnte, war der zwangsverordnete Mittagsschlaf. Den musste ich bis zum Ende der Kindergartenzeit halten. Jeden Tag, zwei Stunden lang, von 12 bis 14:00Uhr. Ob ich müde war oder nicht, spielte keine Rolle, ich MUSSTE liegen, die Augen zu machen und leise sein. Das Ganze fand auf einer furchtbar unbequemen Holzliege statt, die ich wirklich gehasst habe. Ich habe nach einem Bild davon gesucht und auch gefunden. Mein Mann fing betroffen an zu lachen, denn im Prinzip hätte ich mich auch auf ein Stück Holz oder einfach den Boden legen können. Eine Matratze gab es nicht.
Und so lag ich in unbequemer Position da und langweilte mich. Und langweilte mich noch mehr. Ich war selten müde, und zwei Stunden still liegen ist für Vierjährige doch ne ziemliche Herausforderung.

Angst vor der Erzieherin


Es gab eine Erzieherin, die jeden Tag für uns da war. Die mochte ich sehr, auch wenn ich es aus heutiger Sicht befremdlich finde, dass ich sie siezen musste. Ich weiß auch noch wie sie hieß (vermutlich ist sie inzwischen verstorben), das brennt sich einfach ein. Es gab eine weitere Frau, die manchmal für uns zuständig war und vor der hatte ich richtig Angst. Wenn ich wusste, dass sie uns beaufsichtigte, dann wurde ich oft krank, weil ich es so Panik hatte.

Erlaubnis für Toilettengang


Für einen Toilettengang musste ich mich ganz grundsätzlich immer abmelden und auf die Erlaubnis warten. Das konnte auch mal dauern, etwas, dass ich erinnere, dass mich aber auch sehr irritiert. Mir will einfach nicht einleuchten, wieso Kinder, wenn sie aufs Klos müssen um Erlaubnis betteln sollen, statt einfach ihrem Bedürfnis nachzugehen. Auch, dass wir in diesen kleinen Kabinen nie die Tür zumachen durften, finde ich rückblickend merkwürdig. Privatsphäre für die Kleinsten schien damals zumindest in meiner Kita ein Fremdwort gewesen zu sein.

Das Schlimmste: Essenszwang


Etwas, dass mich, wie ich ja bereits andeutete, wirklich massiv beeinflusst hat, war der Umgang mit Essen. Wir Kinder wurden immer gezwungen alles aufzuessen. Auch das, was wir nicht mochten. Was ich an sich schon unmenschlich finde, weil niemand alles mag. Und das, was man nicht essen will, dann auch aufzuessen, ist etwas, dass ich grundlegend falsch finde.
Viel, viel schlimmer aber war, dass mein Kopf öfter IM Essen landete. Nämlich immer dann, wenn ich mich weigerte aufzuessen. Was sehr oft der Fall war. Ich erinnere mich an "tote Oma" (Blutwurst), bei der ich mich auch heute sofort übergeben muss. Ich weigerte mich beharrlich das zu essen und mein Kopf wurde ins Essen gedrückt. Und dann saß ich ewig mit dem verschmierten Gesicht vor dem Teller. Es änderte nichts, ich aß nicht.



Mir hat der Kindergarten auch geschadet



Auch die Fleischwürfel in der Suppe fand ich gruselig. Ich aß alles auf, das Fleisch ließ ich übrig. Und wieder landete mein Kopf in der Suppe, ich solle endlich lernen zu essen und nicht so mäkelig zu sein.
Und soll ich euch was sagen: Ich habe es bis heute nicht gelernt. Also klar, ich esse, aber ich esse sehr viel eingeschränkter als viele andere Menschen. Und deswegen bin ich, auch wenn ich das in dem Moment im Kindergarten nicht so hätte formulieren können, heute überzeugt: Mir hat das geschadet. Dieser Essenszwang. Mir hat es geschadet, dass über Jahre mein Kopf in Essen gestoßen wurde, um mich zum Essen zu zwingen. 

Glück mit dem Kindergarten


Besonders diese letzte Episode, die ich meiner Tochter natürlich sehr abgeschwächt erzählt habe, blieb beim Runzelfüßchen hängen. Sie sah mich an und sagte "Mama, ich hab so Glück mit meiner Kita. Da haben mich alle lieb und ich muss nie aufessen." Und das stimmt tatsächlich. Vergleiche ich ihre und meine Erfahrungen, dann freue ich mich, dass ich ihr diese schöne Erfahrung ermöglichen kann, weil wir lange gesucht haben, bis es für sie und uns passt.
Ich glaube auch, dass es heute noch Kindergärten gibt, in denen solche Maßnahmen wie in den 80ern an der Tagesordnung sind. Und das ist schlimm. Wir sollten irgendwie weiter sein, oder?

Blogparade: Meine Kindergartenzeit


Ich glaube aber auch, dass ich mit meinen Erfahrungen gar nicht so allein bin. Und deswegen: Habt ihr Lust auf eine Blogparade? Dann erzählt von eurer Kindergartenzeit und verlinkt euch gern unter dem Text. Mitmachen könnt ihr ab sofort bis zum 11. März 2018.
Ich bin gespannt, was ihr zu berichten habt. Und ich hoffe sehr, dass auch positive Erlebnisse dabei sind.

Wer keinen Blog hat, darf auch gern eine Nachricht oder einen Kommentar schreiben. Was habt ihr im Kindergarten erlebt? Hat es euch geschadet oder fürs Leben gestärkt?

Kommentare:

  1. Hallo!

    Tatsächlich habe auch ich als „Westkind“den Essenszwang in Erinnerung. Allerdings nicht in so einer übergriffigen Art wie du es erlebt hast. Aber Haut auf warmem Kakao mögen ja die meisten eher nicht. Ich hasse sie, weil ich sie mit runterschlucken musste. Mittagsruhe gab es in meinem katholischen Kindergarten vor gut 30 Jahren auch, ich wurde aber vorher abgeholt und erinnere mich an die Erleichterung, nicht an dieser „Zwangspause“teilnehmen zu müssen. Und ich kann mich lebhaft an die Eingewöhnung (Haha!!)erinnern, an das Gefühl des Verlassen werdens und die Unsicherheit ob und wann ich wieder abgeholt werde. Da ich anfangs keinen kannte und keine Bezugsperson hatte, muss das ein sehr einprägsames Gefühl gewesen sein, schließlich war ich erst drei Jahre alt.
    Ansonsten kann ich mich aber an viele liebe Freunde und Freundinnen, tolle Feste (Nikolaus, Weihnachten, Ostern,..)und ein durchaus gutes Grundgefühl erinnern. Du hast schon Recht: Kinder adaptieren sich an vieles.
    Ich bin mit meinen eigenen Kindern sehr empfindlich, was dieses Aufessen-Thema angeht und eigentlich (scheinbar unnütze) Zwänge jeder Art. Da mache ich dicht, und das möchte ich für sie auch nicht.
    Alles Liebe!
    Metta

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  2. Eine tolle Idee. Aber auch traurig, wie sehr einen der Kindergarten prägt und wie viel man davon mit ins Erwachsenen Leben mit.

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  3. Hallo, ich bin im Westen in den Kindergarten gegangen in den 80er Jahren. Man ist mit drei Jahren in den Kiga gekommen, früher war eher unüblich, dafür war kein Angebot da. Man musste auch schon trocken sein, um hingehen zu dürfen. Ansonsten durfte man tatsächlich nicht hin und der Kiga-Eintritt wurde verschoben!
    Wir waren von 8.30 bis 12 Uhr im Kindergarten. Gegessen wurde Frühstück aus der mitgebrachten Brotbox, Mittagessen vor Ort gab es nicht. Somit erübrigten sich unangenehme Gegebenheiten beim Essen. Geschlafen wurde dort auch nicht und ich musste auch nur selten aufs Klo in den 3,5 Stunden. Ich erinnere mich an nichts Negatives, die Erziehungsmethoden waren relativ modern und den heutigen sehr ähnlich. Es war durch die kurze Dauer aber auch eher ein betreuter Spieletreff, als ein langer Alltag, den es zu bewältigen galt.

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  4. Das mit dem Essen ist ja krass.... Ich war immer noch morgens im Kindergarten und zum Mittagessen zuhause.... zum Glück...

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  5. Da meine Mama wegen dem Umbruch im Osten nach dem Mauerfall keine Arbeit bekommen hat, musste ich zum Glück nicht in den Kindergarten... 3 Monate lang haben wir es ausprobiert, da meine Eltern gern soziale Kontakte zu gleichaltrigen wollten. Es gibt 2 Dinge, an die ich mich erinnere:
    1. Ich musste Milchreis mit Pflaumenkompott essen - bis ich das heruntergewürgte wieder auf den Teller gekotzt habe
    2. Wir haben jeden Tag Fernsehen geschaut - die neueste Errungenschaft im Dorfkindergarten im Jahr 1993.
    Aus diesen beiden Gründen hat mich meine Mutter dann auch wieder abgemeldet - mich vorm Fernseher parken hätte sie auch daheim machen können, war aber bei uns eine absolute Ausnahme bei Regentagen...

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  6. ich bin ja eines der letzten DDR Kinder, 90 geboren. Aber Anfang der 90er waren ja da noch die gleichen Erzieherinnen, die gleichen Möbel. Ich kann mich (vielleicht) zum Glück nicht so richtig an alles erinnern. Es gab auch diese furchtbaren Holzpritschen, da kann ich mich noch dran erinnern. Und meine Abneigung zu Spinat ist wohl auch in der Zeit entstanden. Meine Erzieherin habe ich glaube nie gesiezt aber immer schön mit "Frau Reuter" angesprochen, die war auch wirklich nett.

    Es gab aber auch Sachen, die mir sehr gefielen damals, die man heute nicht mehr machen kann... im Sommer durften wir splitterfasernackt im Garten rumtollen und unter dem Gartenschlauch duschen.

    Es war nicht alles schlecht, aber es gab sicher auch nicht so tolle Sachen.

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