Freitag, 2. Juni 2017

Mein Kind hat was kaputt gemacht

Mein Kind hat was kaputt gemacht Runzelfuesschen Elternblog Leben mit Kindern

Das Runzelfüßchen, ich erwähnte es ja schon, hat neulich für Ärger gesorgt. Sie hat nämlich einen kleinen Kieselstein genommen und damit am Auto rumgekratzt. Ihr könnt euch denken was passierte: Es gab eine fette Schramme, tief im Lack.
Was ihr euch vielleicht auch denken könnt: Mein Mann und ich waren sauer! So richtig. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte meine Dreijährige sowas noch nie gemacht. Ich glaube, in Berlin würde ihr das auch im Traum nicht einfallen, plötzlich an Autos rumzukratzen. Aber hier im Urlaub: da stand das Auto, da lagen Steine und ihr Papa spielte gerade mit ihrem Bruder. Ich schlief. Es war also entweder DIE perfekte Gelegenheit oder sie hatte einfach Langeweile.

"Papa, das Auto ist kaputt"


Jedenfalls kratzte sie, das erzählte sie später, am Auto herum. Dann lief sie zu meinem Mann und rief "Das Auto ist kaputt". Der ging, weil er noch an ein Rollenspiel glaubte, darauf ein und mimte großes "Ach ja, wo denn?" und "Oh weh, muss es in die Werkstatt?" Als das Runzelfüßchen dann ganz betreten war und meinte "Papa, komm mal mit!", da ahnte er nichts Gutes. Sie zeigte also den riesigen Kratzer vorn an der Fahrerseite. Ich schlief, wie schon gesagt, bis zu diesem Zeitpunkt. Aber vom anschließenden "Was hast du da gemacht?" wurde ich sofort wach. Kennt ihr das, wenn irgendwas euch instinktiv sagt: JETZT ist was passiert?



Mama ist sauer aufs Kind


Mein Mann schrie nicht, das Runzelfüßchen auch nicht. Aber es war irgendwas in der Luft. Ich lief also zu ihnen und sah das Malheur. Und ja, ich war sauer. Nicht nur so "ach, das ist jetzt aber doof, na, kann ja mal passieren"- sauer. Sondern so "Schaum vorm Mund das geht alles gar nicht"- sauer. Diese Gefühl ließ ich aber nicht an der Tochter aus. Ich hatte es, und es fühlte sich in mir nicht gut an, wie hätte sich das aufs Runzelfüßchen ausgewirkt? Ich fragte sie, schon mit fester Stimme, aber ohne Geschrei was sie da eben getan hätte. Und wie sie überhaupt auf die Idee kam. "Weiß ich nicht, einfach so", war ihre Antwort.

Kinder sollen Zusammenhänge verstehen


Wir setzten uns alle zusammen an den Tisch, denn ja, dieser Vorfall musste meiner Meinung nach besprochen werden. Wir erklärten ihr, dass das so nicht geht, dass ein Auto eine große Verantwortung ist und ihr Spiel mit dem Stein für uns Konsequenzen hätte. Dass das Auto davon kaputt gehen kann und, dass ein Auto auch Geld kostet. Meine Dreijähige hat von Geld noch so gar keine Vorstellung, klar, aber mir war es wichtig das Thema trotzdem anzuschneiden. Sie weinte dann, weil es ihr leid tat, weil sie irgendwie Angst hatte, wir würden das Auto nun wieder weggeben. Das zeigte mir, dass sie sehr wohl verstanden hatte, was wir ihr sagten.

Mache ich in der Erziehung was falsch?


Und auch wenn nun eigentlich alles gut war, ich war dennoch sauer. Auf die Situation. Und irgendwie fühlte ich mich so ungenügend. Als hätte ich mehr tun können. Hätte ich sie ausschimpfen sollen? (wohl kaum), hätte ich lauter werden sollen? (sicher auch nicht), müsste ich in Zukunft mehr auf sie achten? (ich vermute: nein).
Intuitiv würde ich sagen, dass ich eigentlich alles richtig gemacht hatte, eben so, wie ich gern bei einem solchen Fehler auch behandelt werden wollen würde.
ABER, ich hatte als Elternteil das Gefühl nicht genug getan zu haben. Hatte das Gefühl, ich müsste nun aber mal hart durchgreifen, das Kind erziehen. Vermutlich sind das all die Sachen die eben, ob ich will oder nicht, von außen auf mich einwirken.

Wie erziehe ich mein Kind? 


Da ist ja meine eigene Erziehung, die ich nicht leugnen kann. Und die meines Mannes. Da sind die Erwartungen der Gesellschaft daran, was für Kinder "richtig" und "falsch" ist.  Da sind die Kinder und Eltern in unserem Alltag, die andere Beziehungen zueinander haben. Ich glaube, in solchen Situationen wie der bei uns, da merke ich wie weit weg ich manchmal von anderen Eltern bin. Und habe dann, eben weil so Sachen wie Auto zerkratzen so ungewöhnlich für meine Tochter sind, Angst, dass ich mit unserer Art mit unseren Kindern zusammenzuleben, meine Kinder "verziehe".

 Kinder bestimmen das Leben mit


Meine Tochter und mein Sohn werden nicht angeschrieen, sie dürften IMMER miteinscheiden und ihr Wort (also das meiner Tochter, mein Sohn ist da ja noch nicht so weit), das hat genauso viel Gewicht wie unseres. Solange sie nicht sich oder uns in Gefahr bringen dürfen sie entscheiden. Für einen Moment aber, als ich die zerkratzte Vordertür sah, da zweifelte ich an unserer Be- und Erziehung. Und ich glaube diese Zweifel, die haben mich so sauer gemacht. Auf mich und meinen Mann, auf die Gesellschaft, die ja vielleicht doch Recht hatte mit ihrem härteren Durchgreifen.
Wir atmeten also alle eine Runde durch, das Runzelfüßchen ihren Kopf in meine Halsbeuge gekuschelt, mein Mann und mein Sohn neben uns sitzend. Und auch wenn der Ärger über den materiellen Schaden nicht so schnell verrauchte, der übers Runzelfüßchen, der war schon wieder weg.

Was sagen andere Bloggerinnen? 


Und meine Zweifel, die blieben noch ein wenig. Bis ich bei anderen Bloggerinnen nachfragte. Denn ich bin ja wahrlich nicht die Erste, die mal erlebt wie ihr Kind etwas zerstört. Wichtig, finden Julia und Fiona ist vor allem sich klarzumachen, dass die Kinder das nicht mutwillig machen. Kinder im Alter meiner Tochter (also 3 Jahre) machen nichts mutwillig kaputt. Sie sind sich schlicht nicht im Klaren darüber, dass, wie Béa es ausdrückte, das Auto nicht mit einem Pflaster wieder heil wird.

Mein Kind kann immer zu mir kommen


Julia sagt, dass Schimpfen nicht viel bringt. Lieber in Ruhe die Situation erklären, und eben darauf verweisen, dass manche Dinge dann kaputt gehen. Ihr ist es, wie auch Kathrin vor allem wichtig zu wissen: Mein Kind kommt zu mir und erzählt mir von den kleinen und großen "Schandtaten". Besonders den verlinkten Artikel von Kathrin finde ich toll, weil sie ja auch darüber berichtet, dass es ihr einmal ähnlich ging. Wieder zeigt sich: Manchmal wiederholt sich die Geschichte. Und dann haben wir Eltern es in der Hand es besser zu machen.

Im Kleinen das Große üben


Mara war selbst noch nie in solch einer Situation, nutzt aber die kleinen Alltäglichkeiten wie zum Beispiel geworfenes Spielzeug um ihrer Tochter zu erklären, dass Dinge auch kaputt gehen können. Béa hat sich in ihrer Kolumne auch Gedanken dazu gemacht, dass Strafen manchmal sowieso nichts bringen und statt dessen Wiedergutmachung ein Weg sein kann. Das allerdings wird wohl erst für ältere Kinder interessant.

Eltern haben die Verantwortung


Denise erinnert daran, dass es die Verantwortung der Eltern ist mit Dingen pfleglich umzugehen und beispielsweise das Smartphone nicht auf dem Tisch in Kinderreichweite liegen zu lassen. Im Falle des Autos hätte das zwar nichts genützt, aber den Rat finde ich trotzdem gut. In die gleiche Richtung geht auch Daniela, die sagt, dass wertvolle Sachen immer gut versichert sein sollen. In unserem Fall auch nicht hilfreich, denn gegen die eigenen Kinder kann man ein Auto schlecht versichern.

Kinder dürfen Fehler machen 


Inke plädiert dafür sich ins Kind einzufühlen und zu überlegen wie man empathisch mit der Situation umgehen kann. Ich fand ihr Experiment, das ihr hier nachlesen könnt sehr gut.
Und die wohl beste aller Erinnerungen kommt von Susanne: Kinder dürfen Fehler machen. Denn wir machen sie ja schließlich auch. 

Jetzt würde ich aber wirklich gern von euch wissen: Wie hättet ihr reagiert? Habt ihr auch manchmal so Zweifel an eurer, wie auch immer ausgestalteten "Erziehung"? Wie geht ihr damit um?

Kommentare:

  1. Hallo!

    Ich kenne das Gefühl. Man möchte schreien. Seine Wut rauslassen. Zeigen, dass man wirklich sauer ist. Und ich mache das auch - wenn das Verhältnis stimmt. Wut ist immerhin ein mehr als menschliches Gefühl, das auch Kinder kennen und empfinden. Warum soll man so tun, als gäbe es sie nicht? Warum darf man als Eltern nicht einfach mal sauer sein und schimpfen? Warum müssen Mama und Papa immer so tun, als gäbe es nur heile Welt?

    Was mir wichtig ist, dass ich meinem Zwerg hinterher in den Arm nehme. Dass er weiß, dass das nicht gegen ihn persönlich ging. Dass ich ihn nicht auf Liebesentzug setze. Danach wird ganz viel gekuschelt.

    Liebe Grüße
    Karin

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  2. Wie hätte ich reagiert? In guter Stimmung hoffentlich genauso wie du! Absolut vorbildhaft hast du dich verhalten und ich möchte das im Gedächtnis behalten, denn mit schlechter Stimmung hätte ich anders reagiert und geschimpft. Laut wäre ich geworden und hätte gerufen: Jetzt bin ich sauer! Das ärgert mich!
    Dann hätte ich mich beruhigt und das gleiche Gespräch angestrebt, das ihr geführt habt.
    Also Respekt, dass du deine Wut so schnell unter Kontrolle gebracht hast!

    Und ja, diesen gesellschaftlichen Druck spüre ich auch immer wieder und der wirkt in solchen Situationen als Katalysator und das hasse ich. Ich werde dann extra wütend auf mich und das hilft mir nicht dabei, mich zu beruhigen. Und dabei weiß ich doch, dass es so gut ist, wie wir es machen!

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  3. Hier auch passiert. Das Kind hat an die Stelle wo normalerweise Polizei oder Ambulanz auf der Motorhaube stehen würde, seinen Namen eingeritzt.

    Ich denke, da war er so ca. 5 Jahre alt. Ich war erst sauer als ich es sah. Zu dem Zeitpunkt war er aber nicht dabei. Und dann sickerte aber die Erkenntnis ein, dass er es einfach nicht einschätzen konnte, was für ein Schaden damit entsteht.

    Also haben wir es ihm ruhig erklärt. Dass ich im Moment des Entdeckens allein war, betrachte ich als glücklichen Umstand. So konnte ich dann deutlich angemessener reagieren.

    Heute, 6 Jahre später, ist es eine Anekdote, die immer mal wieder erzählt wird. Mit einem amüsierten Augenzwinkern.

    Lg.

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  4. Greift denn da nicht trotzdem die Haftpflichtversicherung?

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  5. Haftpflicht zahlt nicht bei eigenem Eigentum ;-)

    Ich sehe das ein bisschen wie Karin. Wenn das Verhältnis stimmt, dürfen Eltern auch Mal schimpfen und müssen sich nicht wie Heilige aufführen. Wenn mir selbst etwas kaputt geht, schimpfen ich doch auch. Danach muss aber die Beruhigung und die Erklärung folgen.

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  6. Hallo,
    super Artikel ich hatte vor kurzem eine ähnliche Situation, zwar nur mit einer 10€ Weste, wo sie mit der Schere ein Loch reingeschnitten hat aber ich hab auch so reagiert wie du und war danach so stolz darauf, nicht geschimpft zu haben, denn meiner Tochter fast 4 war es im ersten Moment schon so unangenehm, dass ich ihre Gefühle nur noch mehr verletzt hätte und ich hab mir einfach gesagt sie hat es nicht gewusst was passiert wenn sie mit der Schere in eine Kleidung schneidet, jetzt weiß sie es und ich bin mir sicher sie macht es nicht mehr, weil ich sie begleitet hab in der Situation... Ich glaube wir dürfen nicht zu sehr dran zweifeln an der Be(Er)ziehung zu unseren Kindern sondern uns einfach mal auf die Schulter klopfen und sagen 'das hast du super gelöst'... Schöne Grüße

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  7. Vielleicht als kleine Aufmunterung: Ich habe selbst als Kind zusammen mit meiner besten Freundin ein Auto zerkratzt. NEIN - nicht EIN Auto, sondern mehrere Autos in unserer Straße. Wir haben mit Stöcken Blümchen reingekratzt, weil wir die Autos für die netten Nachbarn verschönern wollten. Uns war der Wert eines Autos und die Wichtigkeit von intaktem Lack natürlich in keiner Weise bewusst und das lag sicher einfach an unserem Alter (Kindergarten) und mangelndem Wissen und nicht an schlechter Erziehung. Ich wurde auch nicht angeschrien oder hab Prügel bekommen, sondern durfte für den Rest der Kindergartensommerferien halt nur noch um Garten spielen. War doof, aber okay so. Meine Eltern haben mich auch sehr liebevoll und partnerschaftlich erzogen und ich danke Ihnen jetzt als Erwachsene oft dafür. Bei meinen eigenen Kind möchte sogar nur wenige Dinge wirklich anders machen. Und ich finde, du machst das klasse und bist super mit der Situation umgegangen!!!

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