Mittwoch, 29. März 2017

Unsensible Ärzte - Kinderängste wahr nehmen



Das Runzelfüßchen ist gestern krank geworden, eine Operation stand kurzfristig im Raum. Wir haben gerade eine echte Reise hinter uns - vom Kinderarzt zu neuem Arzt ins Krankenhaus - und wieder zurück. Das war nicht schön und doch nötig. Aber wisst ihr, was mich dabei wirklich fuchsig gemacht hat: Die unsensiblen Ärzte. Die meine Tochter schnell, schnell mal eben untersuchen wollen.

"Reiß dich mal zusammen" - Ärzte in Deutschland


Für eine Dreijährige ist es sicher ziemlich gruselig von fremden Menschen untersucht zu werden. Wenn die aber dann noch sagen sie solle doch jetzt einfach mal stillsitzen oder sich zusammenreißen, dann finde ich das ziemlich schwierig. Ich verstehe durchaus, dass im Gesundheitssystem Zeit nunmal auch Geld ist. Und, dass ein kleines Kind im Zweifelsfall mehr Arbeit macht für die eigentlich keine Zeit ist. Aber Himmel, das sind doch auch alles Menschen. Und das Runzelfüßchen hatte Sorgen, dass sie im Krankenhaus bleiben muss, dass sie operiert wird.


Kinder werden nicht wahrgenommen


Die Ärzte, die das Runzelfüßchen untersuchten hatten leider wenig Zeit. Sie kamen, sie besahen sie, aber sie nahmen sie nicht wahr. Nicht als Menschen, eher als ein unplanbares Hindernis. Denn klar, wir Erwachsenen haben im Laufe der Zeit gelernt uns bei bestimmten Gegebenheiten anzupassen. Wir halten still wenn uns Blut abgenommen wird, wir beißen die Zähne zusammen wenn es mal kurz irgendwo weh tut. Kinder sind nicht so. Sie behalten ihren Arm bei sich, wenn sie das nicht wollen. Sie ruckeln auf dem Stuhl hin und her, egal ob der Arzt um Stillsitzen bittet.

"Das tut nicht weh"


Ich wurde also mehrfach gebeten mein Kind doch zur Ruhe anzuhalten. Ihr zu erklären, dass das alles ja nicht weh tun würde. Und überhaupt, sie könne doch auch allein auf dem Stuhl da sitzen. Wollte meine Tochter logischerweise nicht. Also nahm ich sie auf den Schoß und scherzte mit ihr, lenkte sie ab. Wir sprachen über ihren Bruder, draußen vor der Tür, über ihren Papa und wie lieb sie ihn hat. Die Ärzte waren zufrieden, ich aber fühlte mich gestresst. Hätten die Ärzte sich dem Runzelfüßchen mal vorgestellt, ihr erklärt was genau sie da jetzt tun, es wäre einfacher gewesen.

Zugehen auf Kinder


Ich bin, versteht mich nicht falsch, natürlich unheimlich froh, dass es hier in Berlin, in Deutschland die Möglichkeit gibt jederzeit zum Arzt zu gehen, Hilfe zu bekommen. Aber wenn plötzlich eine Operation im Raum steht, wenn wir von Arzt zu Arzt gereicht werden und das Runzelfüßchen weint, dann wünsche ich mir ein kleines bißchen Zugehen auf die kleinen Patientin.

1 Kommentar:

  1. Gute Besserung an das Runzelfüßchen.
    Schlimm wenn es so läuft. Man fühlt sich an die Anfänge der Psychologie erinnert, als Kinder noch als kleine Erwachsene gesehen wurden...
    Viele Grüße,
    Franzi

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