Mittwoch, 12. Oktober 2016

Wieso ich dankbar bin

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Ich lag mit dem Baby im Bett und hielt seine Hand. Immer gleichmäßiger wurde sein Atem und langsam, ganz langsam, verschwand mein kleiner Mann ins Traumland. Auch ich war kurz davon wegzudösen, ganz gefangen in diesem Gefühl von Wärme, Kuscheligkeit, Geborgenheit. Kurz gesagt: Gefangen vom perfekten Moment.

Perfekter Moment mit Baby


Ganz ruhig atmeten wir Beiden und ich denke: Es ist perfekt, es ist perfekt. Kurze Zeit später wache ich wieder auf und weiß: Ich habe riesig Glück. Glück, dass ich wenn mich die Müdigkeit überkommt einfach einschlafen kann (und wir alle wissen WIE müde man als Baby- und Kleinkindmama manchmal sein kann). Glück aber auch, weil ich hier in Frieden leben kann.

Was wäre wenn ich fliehen müsste


Dieser Gedanke: "Was wäre wenn..." hat mich schon in der Schwangerschaft enorm beschäftigt. Immer wieder dachte ich: Ich habe Glück, dass ich hier in Deutschland lebe, dass ich im Frieden aufwachse. Ich kann meine Kinder regelmäßig zum Arzt bringen oder es sein lassen. Ich kann überlegen ob und was ich impfen möchte, statt es zum Überleben zu brauche. Ich kann darüber nachdenken ob ich in ein kleines Krankenhaus gehe, zu Hause gebähre oder in ein Geburtshaus.



Schwanger auf der Flucht


Ich kann mir Gedanken machen wie unser Leben zu Viert sein wird, ich kann spazieren gehen und die gute Luft genießen. Ich muss nicht hochschwanger aus meinem Land flüchten. Ich muss nicht Angst haben. dass mein Kind irgendwo auf die Welt kommt wo ich mich nicht sicher fühle. Ich muss nicht darüber nachdenken ob mir, hochschwanger, die Flucht überhaupt noch möglich ist. Ob das Baby oder ich sie überleben würden. Ob meine Tochter sich in dem kleinen Schlauchboot angepasst genug verhalten würde, oder ob ihre Angst die Schlepper so nerven könnte, dass sie unaussprechliches tun.

Wie gut es mir geht


Ich liege im Bett, mit meinem Kind, während mein Mann und mein Runzelfüßchen auf dem Weg in den Kindergarten sind. Ich kann aufstehen und spazieren gehen, oder liegen bleiben und kuscheln. Wenn Herr Annika weint, und das tun Babys einfach, dann nehme ich ihn in dem Arm, wandere mit ihm herum und kuschel mit ihm.

Leben in einer Turnhalle


Wäre ich eine Geflüchtete, dann würden wir alle vermutlich in einer Turnhalle leben und alle anderen um uns würden genervt sein von meinen Kindern. Die müssten sich anpassen und dürften nur in einem ganz begrenztem Rahmen Kind sein. Sie müssten sich anpassen, weil die Umstände es erfordern. Schon der Gedanke bricht mir das Herz.

 In Frieden leben dürfen - ein großer Wunsch


Ich bin dankbar, dass ich im Frieden leben darf. Und ich wünsche mir, dass alle anderen das auch dürfen. Deswegen werde ich das, was ich im sehr kleinen Rahmen für Flüchtlinge tun kann, auch weiterhin tun. Und demütig sein für mein Leben. Für verkuschelte Morgen, laut lachende Kinder, für Platz zum Träumen und das Wissen, dass ich es so viel besser habe als viele viele Menschen weltweit. Dass ich genau wegen dieser Dankbarkeit nicht wegsehen kann wenn Unrecht geschieht. Dass ich helfe und spende wo ich kann.

Ich bin dankbar für mein Leben, so wie es ist. Und ich wünsche das allen anderen auch. 

(Bitte verzeiht, dass das natürlich nur eine sehr einfache Darstellung dessen ist, was viele viele Flüchtlinge erleiden müssen. Niemals werde ich auch nur im Ansatz begreifen was es wirklich bedeutet, auf der Flucht zu sein. Aber ich möchte dennoch zeigen: Ich habe es so verdammt gut im Vergleich zu vielen Flüchtenden. Und dessen bin ich mir bewusst. Jeden Tag!)

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