Dienstag, 4. Oktober 2016

Papa bloggt: Eifersüchtig aufs Stillen


Ich war letztes Wochenende mit meiner Frau und den Kindern auf einen Attachment Parenting-Kongress. Wobei, wenn ich ehrlich bin, war es eher umgekehrt: meine Frau war mit ihrem Mann (mir) und den Kindern bei diesem Kongress. Obwohl ich innerhalb von 3 Minuten vor Ort in den fragwürdigen Kontakt mit sehr komischen, aufdringlichen engagierten Kongressbesuchern kam, die alleine schon zwei Blogartikel wert wären, saß ich selbst (auch gerne mal als einziger Mann) in sehr interessanten Vorträgen. Ein Satz stach sehr raus, der bei mir länger nach hallte: "Es gibt Väter, die verbieten den Müttern das Stillen, weil sie sonst nicht selbst füttern können."

Männer lehnen das Stillen ab


Ehrlich gesagt konnte ich das nicht glauben.Männer, die auf das Stillen eifersüchtig sind - wirklich?  Viele Zuhörer in dem Vortrag (sehr viele Hebammen) bestätigten dies aber. Oft stillten die Frauen dann ab, damit der Mann sich nicht als fünftes Rad fühlt. Ich fand das sehr komisch, ohne dass ich das verurteilen will, denn ich kannte solche Gefühle bei mir überhaupt nicht.




Ein Vater kann fast alles


Dabei muss man sagen, dass das Runzelfüßchen gestillt wurde und Herr Annika gestillt wird. Beim Runzelfüßchen war es eine gemeinsame Entscheidung, dass meine Frau das Stillen versuchen wollte. Falls es aus irgendwelchen Gründen damals nicht geklappt hätte, wäre meine Welt auch nicht untergegangen. Aber aufgrund des Stillens hatten wir eine relativ schnelle eine Aufgabenteilung gefunden, die ich bis heute nicht missen will: Meine Frau stillt das Kind, aber ich versuche alles andere zu machen (sofern ich zu Hause bin). Der Satz, der sich bei mir festgesetzt hat, war: ein Papa kann bis auf das Stillen alles, was eine Mutter auch kann. Wieso sollte ich da eifersüchtig sein?

Momente der Nähe


Während mit Herrn Annika einiges anders läuft, war mit dem Runzelfüßchen das Stillen oft eine gemeinsame Angelegenheit. In der Zeit, in der meine Tochter gestillt wurde, saßen wir oft zu dritt zusammen. Entweder meine Frau und ich redeten über dies und das, oder ich las uns aus Büchern vor. Oder ich brachte ihr etwas zu trinken, denn Stillen macht durstig (das weiß sogar ich als Mann). Mit Herrn Annika ist es schon wieder ein wenig anders: ich lese zwar auch öfters vor, aber dann meist eher dem Runzelfüßchen und meine Frau muss sich die Kindergeschichten dann auch anhören.

Stillen für das Kind


In dem Kongress wurde vorgeschlagen, man solle den Männern das Stillen mit einfachen Argumenten schmackhaft machen: Weil Muttermilch nichts kostet, würde man ja so viel Geld sparen. Das stimmt mit Sicherheit, aber wäre das ein Argument für mich?
Ich finde es schön, wenn meine Frau unsere Kinder auf natürlichem Weg ernähren kann/konnte. Sie macht(e) das nicht für sich, sondern für unsere Babys. Und ganz ehrlich: selbst wenn meine Frau es zu einem Teil für sich machen würde, sie hätte es auch verdient: wenn eine Frau schwanger war und eine Geburt hinter sich gebracht hat, hat sie auch ein wenig Extranähe mit ihrem Baby verdient.


Seid ihr (Väter) beim Stillen eifersüchtig? Kennt ihr (Mütter) Väter, die auf das Stillen eifersüchtig sind?

Kommentare:

  1. Ich glaube es ist eher eine weibliche Interpretation, ein Wunschdenken - nach dem Motto wenn er nur auch füttert wird er sich mehr einbringen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sqirrel,

      das ist auch ein interessanter Gedanke. Ob es hilft, kann ich nicht beurteilen. Aber wegen Wunschdenken das Stillen aufgeben, finde ich sehr schade.

      Viele Grüße,
      Alex

      Löschen
  2. Kann nur von meinem Mann reden, der damit kein Problem hatte.
    Unsere Prinzessin ist ein totales Wunschkind, in jeder Hinsicht. Nachdem wir sie mit Stoff gewickelt haben und sie fast ausschließlich im Tragetuch war, wäre uns beiden nie in den Sinn gekommen, sie mit künstlicher Kindernahrung zu füttern, nur damit er es machen konnte.

    Er ist oft da gesessen und hat uns beim Stillen beobachtet. Sicher, ein bisserl hat er mich um diese innige Vertrautheit und die gemeinsame Zeit, wo sonst niemand eindringen konnte beneidet. Und an Tage, wo ich total fertig war, hat er auch immer wieder mal vorgeschlagen, auf künstliche Babynahrung umzusteigen, damit ich zur Ruhe kommen kann. Aber nie aus purem Eigennutz.

    Aber ich kenne ein paar Männer, die der Meinung sind, die Frauen würden sie ausschließen und dann wirklich eifersüchtig auf das Würmchen reagieren. Männer, die auch das Familienbett verbieten, selbst wenn das Kind krank ist, nur weil sie die Frau nicht mit dem Baby teilen wollen und so zumindest in der Nacht die Frau "für sich haben".

    Es gibt leider sehr viele Männer, die es nicht verstehen und im Kind einen Rivalen sehen. Manche haben sich leider seit der Steinzeit nicht sehr viel weiter entwickelt.

    Ach ja, unsere Prinzessin ist mittlerweile 6 Jahre und ein aufgeschlossenes, an allem interessiertes Mädchen. Sie liebt ihren Papa innigst und mittlerweile gibt es einige Sachen, wo die Mama nicht mitmachen/mitreden darf.

    Alles Liebe
    Marianne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Marianne,

      mein Kommentar kommt leider ein wenig spät. Ich kann Eifersucht auf das Baby auch nicht verstehen. Aber ich hatte auch immer das Gefühl, dass es unser Baby bzw. "auch" mein Baby ist, weil ich nie außen vor war.

      Ich finde schön, dass es bei euch keine Eifersucht gab.

      Liebe Grüße,
      Alex

      Löschen
  3. Hallo,
    leider kenne ich das sehr gut. Der Erzeuger meines Kindes hat ein riesiges Problem damit, dass ich stille und er das nicht kann. Wollte ihm schon aus Trotz Fläschchen geben, im 3. Monat Gläschen oder sogar von seinem Teller scharf gewürzte Soße usw.
    Er meint, dass ich nur stille, damit der kleine abhängig von mir ist.

    Mittlerweile bin ich alleinerziehend.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Bine,

      oje, das hört sich nicht gut an. Wie ich oben schon geschrieben habe: ich kann diese Eifersucht nicht nachvollziehen. Es gibt ja auch Empfehlungen von Ärzten oder der Weltgesundheitsorganisation im Bezug auf das Stillen. Diese basieren ja auf rationale Erwägungen.

      Ich wünsche euch trotzdem alles Gute und hoffe!

      Liebe Grüße,
      Alex

      Löschen
  4. Ich stille meine Tochter seit 11 Monaten und stillte meinen Sohn 12 Monate. Beide aus der Überzeugung, es richtiger nicht machen zu können, beide niemals mit dem Empfinden von Verzicht (manche Dinge gehen halt in der Stillzeit nicht), und beide Kinder mit 100 prozentigem Verständnis, nein, Selbstverständnis meines Mannes. Man sollte manche Dinge auch nicht dauernd so hochdramatisch thematisieren - das ist natürlich! Und schade, aber auch okay, wenn es nicht klappt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Juliane,

      das ist doch sehr gut, wenn Dein Mann Dich so unterstützt hat. Denkst Du, es hätte auch anders laufen können, wenn Dein Mann kein so großes Verständnis für das Stillen gehabt hätte?

      Lieben Grüße,
      Alex

      Löschen
  5. Niemand hat mich so sehr beim Stillen unterstützt, wie es mein Mann von Beginn an getan hat und nachwievor tut. Gerade in der holprigen Anfangszeit hat er mich immer wieder aufgebaut und tatkräftig unterstützt, zB indem er den kleinen Kobold angelegt hat. Er war nie eifersüchtig, aber fasziniert und thematisierte auch, dass er auch gern mal stillen würde, eben wegen dieser besonderen Beziehung <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Piuna,

      ich denke auch, dass die Unterstützung durch den Vater sehr wichtig ist. Die Anfangszeit kann auch sehr holprig sein (z.B. Milchstau), da kann emotionaler Support mit Sicherheit helfen.

      Liebe Grüße,
      Alex

      Löschen