Mittwoch, 11. November 2015

Gastpost: Mein Leben mit Migräne

Mein Leben mit Migräne Kinder und Kopfschmerzen Runzelfuesschen Elternblog


Vor Kurzem habe ich dazu aufgerufen, dass Eltern mir (und euch natürlich!) von ihrem Leben mit Kind und Kopfschmerzen berichten mögen. Und ich freue mich sehr, dass die liebe Frau Rabe als Allererste zugesagt und mir einen Text geschickt hat. Was ich daran beeindruckend finde: Sie kennt beide Seiten. Sie weiß wie es ist, wenn die Mama Migräne hat und wie sich das als Kind anfühlt. Und nun, selbst Mutter, ist sie auch von den fiesen Kopfschmerzen betroffen. Ich bin ihr für ihren Gastpost sehr dankbar, auch, weil ich ihren schönen Blog auf diese Weise kennen lernen durfte.
Wenn ihr mir auch über euer Leben als Eltern mit Kopfschmerz berichten möchtet, dann meldet euch gern unter hallo at runzelfuesschen punkt de

Nun aber hat Frau Rabe das Wort!

Meine Mutter hat Migräne



Seit ich denken kann, geht es meiner Mutter manchmal sehr schlecht. Sie liegt dann im dunklen Schlafzimmer und versucht zu schlafen, aber oft geht das nicht, weil ihr so übel ist und sie brechen muss. Manchmal weint sie vor Schmerzen, das heißt eigentlich wimmert sie nur, weil echtes Weinen zu viel Kraft verlangen würde. Erst wenn sie starke Medikamente genommen hat, geht es besser, dafür ist sie dann so müde, dass sie oft den Rest des Tages und die Nacht darauf komplett verschläft.
Meine Mutter hat Migräne. Was das heißt, verstehe ich erst so richtig, seit ich selber Migräne habe.

Schlimme Kopfschmerzen und Kinder die spielen wollen


Dass die Schmerzen so groß sind, dass man sich auch einen Schraubenzieher in die Schläfe rammen würde, wenn man ausreichend glaubhaft versichert bekommt, dass das hilft. Ich habe mich schon oft gefragt, wie viele Menschen eigentlich schon während der Schmerzphase eines Migräneanfalls aus dem Fenster gesprungen sind. Am schlimmsten ist die Migräne jedoch, wenn man Kinder hat, nicht weil die Kinder die Schmerzen verschlimmern, sondern weil man noch irgendwie funktionieren will oder sogar muss. Wenn man keine Kinder hat, legt man sich bei einem Migräneanfall ins Bett, nimmt Medikamente und wartet bis es vorbei ist. Möglicherweise muss man sich bei der Arbeit krank melden, aber das wars auch. Kinder muss man vielleicht irgendwo abholen (wo es laut ist), dann muss man den Kindern essen machen (während einem total übel ist), Kinder wollen  trotzdem mit einem spielen oder man hat versprochen, noch Vokabeln zu üben.








Tabletten, Kinder und Migräne


Meine Mutter musste oft funktionieren, sie war alleinerziehend mit zwei Kindern. Heute kenne ich ihre Technik, weil ich sie selber manchmal anwende: Beim ersten Anzeichen einer Migräneattacke schon Schmerzmittel einwerfen, aber keine, die einen richtig aus den Latschen hauen. Hausmittel anwenden (Schwarzer Kaffee, Pfefferminzöl auf die Schläfen, Akupressur, was auch immer einem hilft). Hält man sich dann noch vor Augen, dass es irgendwie gehen muss, bis die Kinder im Bett sind oder eine alternative Betreuung verfügbar ist, hält sich die Migräne bei mir und meiner Mutter solange zurück, bis alle anderen sicher versorgt sind. Und dann kommt sie mit voller Wucht, da braucht man dann gar nichts anderes mehr machen als sich hinlegen. Und wimmern.


Selbstfürsorge lernen


Dieses die eigenen Bedürfnisse ignorierende Verhalten habe ich von meiner Mutter gelernt. Das ist gleichzeitig auch das einzige, was ich im Nachhinein betrachtet an der Migräne meiner Mutter wirklich blöd finde. Natürlich war ich als Kind manchmal genervt, wenn meine Mutter nicht spielen wollte. Oder sie uns zu meinen Großeltern schickte, damit wir da Abendbrot essen konnten, damit sie nicht auch noch kochen musste. Aber ich wusste ja, meine Mama ist jetzt gerade krank, morgen ist sie wieder gesund. Es ist nichts schlimmes, nur Migräne. Als erwachsene Frau aber, die selbst Migräne und zwei kleine Kinder hat, finde ich es sehr schade, dass ich keine Selbstfürsorge von meiner Mutter gelernt habe.

"Migräne- Basics" fürs Leben mit Kind


Die absoluten „Migräne-Basics“ habe ich nicht vorgelebt bekommen, sondern musste sie dann später richtig gehend lernen: regelmäßig essen, regelmäßig und ausreichend schlafen, ausreichend trinken, Stress vermeiden. Manches schaffe ich bis heute nicht konsequent, manches ist auch durch das Mutter-sein mehr oder weniger unmöglich (Stichwort Schlaf). Trotzdem hoffe ich, dass meine Kinder von mir weniger funktionieren-müssen und mehr Selbstfürsorge erleben. Und am allermeisten hoffe ich, dass keins meiner Kinder je Migräne bekommt.

Liebe Frau Rabe, danke für deine Offenheit. Und ich drücke dir die Daumen, dass deine Kinder verschont bleiben. Lass uns einander auf die Fürsorge achten!

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