Donnerstag, 13. August 2015

Gastpost: Selbstständig sein mit Kind


Gastpost Kreativlabor Berlin selbstständig sein mit Kind Runzelfuesschen


Im heutigen Gastpost lasse ich Julia zu Wort kommen. Durch einen Zufall habe ich sie vor einigen Monaten auf einem Event kennengelernt und seitdem im Auge behalten. Denn Julia ist die Frau hinter Kreativlabor, einem Blog, auf dem ich, seit die Nähmaschine hier eingezogen ist, recht häufig surfe. Julia schreibt heute aber nicht über Schnittmuster oder Nähtechniken, nein, sie berichtet über ihre Selbstständigkeit. Denn wie ich ist auch sie selbstständig und Mutter. Dieser Spagat ist nicht immer leicht, aber für uns Beide scheint es das Richtige zu sein.  Aber lest selbst:

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Julia vom Kreativlabor: Über Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Muttersein


Heute möchte ich euch ein bisschen über die Vereinbarkeit von Selbstständigkeit und Muttersein erzählen. Ich bin mittlerweile seit 8 Jahren selbstständig, davon 4 Jahre mit Kind. Wie lässt sich ein Homeoffice in einem Kinderhaushalt gestalten? Was sind die Vor- und Nachteile der Freiberuflichkeit als Mutter?

Geht das, selbstständig sein mit Kind?


„Das könnte ich nicht!“ ist der erste Satz von Freunden oder Bekannten, wenn ich von meiner Selbstständigkeit erzähle. So wirklich verstehen kann ich diese Angst nicht. Als verantwortungsbewusster Mensch, der sich den Folgen seines Handelns bewusst ist und die wirtschaftliche Entwicklung seines Unternehmens im Auge behält, ist eine Selbstständigkeit vielleicht sogar sicherer und vorallem deutlich spannender als ein „normaler“ Job. Niemand schreibt mir vor, wann ich mit der Arbeit beginnen soll und wann ich gehen darf. Niemand kann mich feuern. Ich kann jederzeit Termine einschieben, ob es Kinderarzt, Bürokratie oder ein vergessener Einkauf ist. Ich entscheide, ob ich Projekt X umsetze, oder mich lieber Projekt Y widme. Kurz gesagt: Ich liebe es, selbstständig zu sein - vorallem mit Kind.



Was ich an der Selbstständigkeit so mag:


- Ich bestimme Anfang und Ende meines Arbeitstages selbst
- Ich kann jederzeit Pause machen oder auch mal einen einen verkürzten Arbeitstag einschieben
- Wenn in der Kita was passieren sollte, bin ich in 5 Minuten dort und kann meine Tochter abholen
- Ich kann jederzeit neue spannende Projekte starten, meine Arbeit komplett frei aussuchen
- Ich bin unabhängig von einem Auftraggeber
- Finanziell ist nach oben mehr Raum / Flexibilität (an der praktischen Umsetzung arbeite ich noch :D )
- Ich kann theoretisch von überall arbeiten

Schnelle Entscheidungen als Selbstständige


Als meine Tochter in die Kita kam, hat meine Selbstständigkeit uns „gerettet“. Sie ist sehr sensibel und war mit einem Jahr einfach noch nicht bereit für die Kita. Sie war drei Tage zur Eingewöhnung dort - und jedes Mal wirkte sie völlig apathisch und verstört, als ich sie abholte. Wir zogen sofort die Reißleine und nahmen sie für ein weiteres halbes Jahr aus der Kita raus. Elterngeld bekam ich keines mehr und die finanziellen Einbußen waren sehr hoch - aber in diesem Moment zählte nur das Wohlergehen unserer Tochter. Mit einem normalen Arbeitsvertrag in Festanstellung wäre es möglich gewesen, mal eben ein halbes Jahr freizunehmen und wir waren heilfroh, dass es eine so einfache Lösung gab. Mittlerweile geht unsere Tochter übrigens in genau diese Kita und liebt es dort :)

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Organisation als selbstständige Mutter


Ich schreibe Beiträge für meinen Blog „Kreativlabor Berlin“ oder entwerfe neue Schnittmuster, zu denen ich dann eine Nähanleitung schreibe und mit Schritt-für-Schritt Fotos ergänze. Die Schnittmuster werden dann mit Nähanleitung als Ebooks im PDF-Format verkauft. Dabei setze ich hauptsächlich auf die Plattformen DaWanda und makerist.

Einmal im Monat schreibe und gestalte ich das Snaply-Magazin samt Newsletter. Dazu kommen Autorentätigkeiten für den BERNINA-Blog, das Eigenwerk-Magazin und meine eigenen Nähbücher - das zweite Buch ist gerade in Arbeit. Ich betreibe nebenbei noch den Blog DIY Love, wo ich die besten Anleitungen zum Nähen, Basteln, Häkeln und Stricken sammle. Für all das braucht es auch Organisation. Daher hier meine Tipps für ein Büro zuhause.
 

Wichtig für das Büro zuhause:


- Es sollte ein separater Raum sein, der nicht zum „bespielbaren“ Wohnraum gehört und dessen Tür man zumachen kann
- Das Kind sollte von Anfang an darüber aufgeklärt werden, wofür dieser Raum da ist und welche Regeln in ihm gelten
- Das Kind sollte jederzeit Zutritt zu diesem Raum haben und nicht ausgeschlossen werden. Es lernt sehr schnell selbst, wann Mama oder Papa darin arbeitet und es nicht stören darf
- nach Feierabend und am Wochenende sollte die Tür zum Arbeitszimmer möglichst geschlossen bleiben

Wichtig als selbstständige Mutter: Das eigene Tempo finden


Natürlich ist an bei einer freiberuflichen bzw. selbstständigen Tätigkeit nicht alles rosig. Die große Freiheit kann auch dazu führen, dass man sich total überfordert. Ich habe mir zeitweise viel zu viele Projekte aufgehalst, hatte viele Monate mit Burnout zu kämpfen, einige Kunden zahlten nicht und nutzten mich aus - ich trat in zahlreiche Fettnäpfchen der Freiberuflichkeit und fühlte mich nicht mehr wohl. An dieser Stelle ist es wichtig, eine Pause einzulegen und einen Schritt zurück zu treten. Mir hilft es immer, wenn ich meine Prioritäten aufschreibe. Was ist mir in meinem Leben am Wichtigsten? Wie will ich leben und arbeiten? Wie sollen meine Kinder, mein Partner, meine Freunde mich wahrnehmen? Eine gestresste Mama will ich nicht sein - ich möchte Zeit und Ruhe für mein Kind haben, möglichst ausgeglichen sein und auf meine körperliche und seelische Gesundheit achten.

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Veränderungen im Leben einer selbstständigen Mutter


Mittlerweile arbeite nicht mehr 12 sondern nur noch 5 Stunden pro Tag. Ich habe gelernt, das ich nicht mehr alls selbst machen muss, sondern Aufgaben auch abgeben kann. Und das ein paar Hundert Euro mehr auf dem Konto mich nicht glücklicher machen, wenn ich dafür nicht mehr ich selbst bin oder sogar krank werde. So kann ich nach der Arbeit oder in den Pausen schonmal den Haushalt machen, einkaufen und meine Tochter dann etwas früher aus der Kita abholen. Das klappt zwar nicht jeden Tag wie im Bilderbuch, aber ich arbeite daran und bin flexibel genug, mir meinen Tag so zu gestalten wie ich es möchte.

Manchmal denke ich sogar, dass die Geburt meiner Tochter meinen „inneren Stress“ geheilt hat. Ich kann nicht mehr soviel arbeiten wie früher, da ich nun Verantwortung für einen anderen Menschen trage und viele neue Aufgaben in mein Leben getreten sind - und das ist auch gut so. Ich gehe viel mehr raus in die Natur, treffe mich mit anderen Eltern, es kommt trotz der „Unruhe“ durch ein Kind sehr viel Ruhe hinein.


Und jetzt kommt ihr: Was sind eure Erfahrungen?

Nun bin ich gespannt auf euer Feedback. Seid ihr selbstständig oder spielt mit dem Gedanken daran? Welche Vor- und Nachteile seht ihr?


+ + +

Über mich:

Julia lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin. Seit 2012 betreibt sie das Schnittmuster-Label und den Nähblog „Kreativlabor Berlin“. Neben ihrer Tätigkeit als Designerin ist sie als Autorin von Kreativbüchern und für diverse DIY-Magazine tätig. Im März 2014 wurde sie beim DIY-Bloggercontest von Union Knopf zu Deutschlands kreativster DIY-Bloggerin gewählt. Vor ihrer Karriere als Nähbloggerin war Julia Inhaberin einer kleinen Webdesign-Agentur.


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