Freitag, 26. Juni 2015

"Du blödes Gör" - Wie eine Frau mein Kind anging

Beleidigungen gegenueber Kleinkind in der Bahn Runzelfuesschen


Aufgrund all der negativen Erfahrungen, die ich in den letzten Monaten in den öffentlichen Verkehrsmitteln sammeln musste, bin ich dazu übergegangen fast alles mit dem Fahrrad zu erledigen. Das klappt eigentlich zielmlich gut, das Runzelfüßchen liebt Rad fahren und für mich ist es nicht nur praktisch sondern auch ein tägliches Fitnessstudio.

Zerstochener Fahrradreifen


Leider hatte mir jemand den Fahrradreifen zerstochen, so dass wir für einen Tag doch wieder auf die BVG umsteigen mussten. Der Hinweg verlief relativ problemlos, die Bahn kam etwas verspätet, aber nun ja. Alles fein. Ich wähnte mich schon im totalen Glück und mit all den schlechten Dingen versöhnt. Dann aber kam der Rückweg.

Negative Erfahrungen in der Bahn


Und ja, es hat leider wieder etwas mit anderen Menschen zu tun. Die Bahn hatte Verspätung, in die erste kamen wir nicht rein. In die zweite auch nicht. Aber in die dritte. Die war dann auch relativ leer, wir ergatterten sogar einen Sitzplatz. Das Runzelfüßchen war total begeistert und schaute aus dem Fenster. Und sich anschließend eben in der Bahn um. Sie entdeckte eine Mutter mit kleinem Kind und näherte sich auf dem Sitz stehend vorsichtig an.



Kleinkind wird beleidigt


Die kleine Familie saß auf den Sitzen vor uns und meine Tochter war von den langen braunen Haaren der Mutter fasziniert. Also fasste sie diese an. Nicht grob, sondern vorsichtig. Sie strich darüber. Die Frau fuhr, wie von der Tarantel gestochen herum und schrie meine Tochter an "Du blödes Gör, was fällt dir ein!?! Ich will von dir nicht angefasst werden! Hände weg!". Meine Tochter und ich waren gleichermaßen sprachlos.

Unverständnis für schreiende Mutter


Mir rutschte kurz das Herz in die Hose, denn ich verstand nicht, wie irgendjemand so reagieren kann. Ich habe volles Verständnis dafür, dass man nicht von einem fremden Kind angefasst werden möchte. Aber für DIESE Reaktion habe ich keine Worte. Denn die Frau war ja auch Mutter. Sie hätte deutlich anders ihr Missfallen zum Ausdruck bringen können. Ich frage mich, wie sie mit ihrer Tochter spricht, wenn das die Reaktion auf fremde Kids ist.
Auch ich möchte nicht immer mit allen anderen Kindern Kontakt haben. Aber das kann man ja durchaus auch anders zum Audruck bringen. Es geht nicht darum, dass mein Kind von allen geliebt werden muss. Sondern, dass man fremde Kids nicht anschreit und beleidigt.

Keine Konfrontation mit der Mutter


Nach einem kurzen Schreckmoment in dem ich meine Tochter in die Arme nahm und sie beruhigte, entschied ich mich dafür, die Frau nicht anzusprechen. Ich hatte das Gefühl, dass das nichts bringen würde. Stattdessen erklärte ich dem Runzelfüßchen, dass wir uns wohl beide wegen der bösen Worte erschreckt hätten, aber wir ja einfach was anderes machen könnten. Die Frau vor uns möchte nicht gestört werden, erklärte ich ihr, und bot ihr an ein Buch zu lesen. Darauf ging sie ein und hörte auf zu weinen.

Keine Beleidigungen gegenüber Kindern


Wir stiegen dann irgendwann aus. Aber auch eine Woche später beschäftigt mich dieses Erlebnis noch. Weil ich nicht verstehe, wieso man kleine Kinder so anschreit. Vielleicht auch, weil ich das nicht verstehen will. Mag ja sein, dass diese Frau einen schlechten Tag hatte, einen ganz ganz schlechten. Aber in meinen Augen rechtfertigt das alles nicht, eine Anderthalbjährige als "blödes Gör" zu beschimpfen!

Seid ihr da großzügiger in der Auslegung? Hättet ihr was gesagt?

Kommentare:

  1. Wie die Frau reagiert hat geht wirklich gar nicht! Ob man gerade von einem fremden Kind angefasst werden möchte oder nicht ist da ganz egal - man schreit generell keine Kinder an, schon gar nicht fremde, und erst recht nicht so kleine!

    Wahrscheinlich hätte ich in der Situationauch nur geschluckt und nichts mehr gesagt. Schlagfertig ist man ja meistens erst hinterher :D

    Aber mal ganz ehrlich: Wenn einso kleines Kind irgendwas macht, was ich gerade nicht möchte, würde ich eher auf die Eltern zugehen und was sagen, als das Kind anzuranzen.

    Liebe Grüße, Biene

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Biene,

      ich finde auch: KInder schreit man nicht an. Aber wenn ich ehrlich bin: Ich hätte die Frau gern angeschrieen. Es hätte natürlich nichts genützt. Aber dennoch. Weil ich die Situation so schrecklich fand. Und ich will ja Verständnis haben, aber es ist schwer.

      Liebe Grüße,

      Andrea

      Löschen
  2. Sage mal, was erlebst du denn immer?
    So krasse Reaktionen hatte ich bis jetzt noch nie. Wüsste aber auch nicht wie ich reagieren würde. Ich werde ja schon immer zum kleinen HULK, wenn jemand mein Kind umrennt, weil das Handy wichtiger war.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Sebastian,

      könntest du mir dein HULK-Kostüm denn nicht ab und zu mal leihen? Es würde vielleicht helfen... :)

      Liebe Grüße,

      Andrea

      Löschen
  3. Das tut mir echt leid, das ist ganz schrecklich. :-(
    Ich hätte auch nichts gesagt. Man weiß nie, wie so eine Person darauf reagiert, ggf. noch gewalttätig wird.
    Ach man, das arme Runzelfüßchen. (( ))

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich hoffe sehr, dass das Runzelfüßchen die Begegnung schon wieder vergessen hat. Ich arbeite noch daran. Und klar, man weiß nicht, was passiert ist. Aber irgendwie denke ich: Egal was, wenn ich so ein kleines Kind sehen würde, würde ich mich vielleicht doch zusammen reißen.

      LIebe Grüße,

      Andrea

      Löschen
  4. Allerhand, was ihr da erlebt habt. Wir kennen das gar nicht. Aber ehrlich gesagt fahren wir kaum mit dem ÖPN und fahren daher immer mit dem eigenen Auto. Aber wenn wir denn dann irgendwann mal Bus fahren oder auch mal Bahn, ist uns das in der weise noch nie passiert. Eigentlich sind immer alle ganz interessiert und versuchen von sich aus Kontakt zum Kind aufzubauen. Oftmals sind sie etwas traurig, weil unser Sohn ganz viel mit Blickkontakt macht. Und dann auch demonstrativ wegschaut, wenn er die Personen nicht mag oder in dem Moment nichts mit denen zu tun haben möchte. Das macht er auch mit der eigenen Oma und uns als Eltern. Das ist einfach seine Art, dass er mit diesem Verhalten Menschen "straft"...

    AntwortenLöschen
  5. Ihr habt aber auch immer Pech. Wir haben ja seit Jahren kein Auto und fahren viel ÖPN, aber mir ist sowas zum Glück noch nie passiert. Das klingt irgendwie sehr nach Borderliner, oder irgendeiner anderen psychischen Störung, bei der man panische Angst vor Berührung hat. Ich habe schon mal davon gehört/gelesen, dass es das sogar in noch ausgeprägterer Form gibt, sodass diese Personen dann nicht nur verbal ausfällig, sondern sogar körperlich übergriffig werden.
    Ich hätte mich in der Situation auch sehr erschrocken. Und vermutlich hätte ich auch nichts gesagt, leider. :-(
    Drück euch ganz fest die Daumen, dass eure ÖPV-Pechsträne endlich mal abreißt ;-)

    Liebe Grüße, Anne

    AntwortenLöschen