Freitag, 16. Januar 2015

Pick up Artist - eine Kunst zum Kotzen

Runzelfuesschen Pick up Artists sind zum Kotzen


Neulich traf ich mich mit einer Freundin in einem Café. Das Runzelfüßchen war natürlich mit dabei und was wir dort erlebt haben ließ uns zwei Frauen sehr sprachlos zurück.



Frauen und Männer im Café


Es traf, ungefähr zeitgleich mit uns ein junger Typ ein. Eher schüchtern, unauffällig. Die Freundin, nennen wir sie H. machte ihn, der er sich unsicher umsah, darauf aufmerksam, dass in diesem Café Selbstbedienung herrschte. So schnell, so nett, so freundlich. Er lächelte scheu und verriet, er würde warten. Kurze Zeit später traf ein weiterer Mann ein, jung, aufgeblasen und mit einem sehr breiten Gang. Ein bißchen wie ein Großstadtcowboy. Während H. und ich uns noch über diese abenteuerliche Kombi wunderten, tänzelte das Runzelfüßchen auf die beiden Männer zu.


Die ließen sich vom Baby nicht stören, meine Tochter zog weiter Richtung Minihund, der zwei Tische weiter zu finden war. H. und ich hingegen kamen nicht umhin Gesprächsfetzen von den beiden Typen aufzuschnappen. "Wie gehts dir denn damit, wenn du von den Mädels abgewiesen wirst", wollte der Großstadtboy wissen. "Ja, scheiße gehts mir dann. Ich fühle mich schlecht und wertlos", gab Shyboy zur Antwort. H. und ich waren irritiert, das Gespräch wirkte nicht wie bei zwei Freunden, die sich über letzte Nacht unterhielten. Großstadtboy übernahm das Kommando und meinte "Also, klar ist, Rückschläge gehören dazu. Wir müssen an deinem Selbstbewußtsein arbeiten." Shyboy nickte ehrfürchtig und H. und mir dämmerte es: Da war ein Pick up Artist am Werk, der Shyboy erklärte, wie er bei den Ladies landen könnte.

Das Schlimme dabei ist ja nicht, dass Shyboy auf der Suche nach Hilfe gegen seine Schüchternheit ist.Sowas begrüße ich, wer etwas an sich ändern möchte, der darf das gern tun. Was ich blöd finde, ist, dass er das überwinden will um Frauen für einen One Night Stand klarzumachen. Es geht also darum, sein Selbstbewußtsein darüber aufzubauen, möglichst viele Frauen ins Bett zu kriegen. Dafür erzählte Großstadtboy ihm jede Menge Tipps und Tricks. Wie man beispielsweise das Mädel erstmal "labern" lässt und wenn sie eine Pause macht ihr tief in die Augen schaut und die Hand leicht hebt. Das würde die Frau angeblich total willig machen, weil er auf diese Weise signalisiert, dass er ein toller Zuhörer ist. H. und mir drehte sich der Magen um. Wir zwei Frauen saßen recht hilflos in dieser Situation, fühlten, dass es nicht gut war, aber wußten auch nicht, wie wir uns verhalten sollten. Zwischendurch kam das Runzelfüßchen immer mal wieder vom Hund zu uns gewackelt und grinste uns an.


Dieses Bild, das fröhliche kleine Mädchen auf der einen und diese Typen, die überlegen wie sie schnellstmöglich eine Frau ins Bett kriegen auf der anderen, das macht mir schwer zu schaffen. Einfach, weil ja auch meine Tochter irgendwann an so Männer geraten könnte, deren größter Spaß es ist, Frauen ins Bett zu tricksen. Ja, ja, werdet ihr denken, jeder ist seines Glückes Schmied und niemand zwingt meine Tochter später dazu mit solchen Jungs mitzugehen. ABER: Ich finde es trotzdem ekelhaft, dass diese Pick up Artist (schon das Wort regt mich auf, worin besteht denn da die Kunst?) glauben, Frauen wären so leicht zu durchschauen und aufzureißen und leicht zu haben. Großstadtboy war davon auf jeden Fall fest überzeugt und erblödete sich auch nicht vor Shyboy damit zu prahlen, was für ein toller Hengst er ist. "Klar, ich kriege nicht jede ins Bett, aber die meisten schon."


Wollt ihr mal raten, was mit den Frauen nicht stimmte, die NICHT auf Großstadtboys miese Masche reingefallen sind? Genau, sie waren häßlich, doch nicht so sein Fall oder einfach dumm. Denn er, der geile Hecht, der würde sie schließlich alle kriegen. H. und ich waren fassungslos. Weil es einmal mehr zeigt, dass solche Männer Frauen nur in Kategorien einteilen, die ich ablehne, die jede Frau ablehnen sollte. Mal auf den Punkt gebracht bedeutet es: Wenn wir (in ihren Augen) hübsch sind, wenn wir gefügig sind, wenn wir auf Tricks reinfallen und glauben, dass Männer an uns interessiert sind, dann sind wir überhaupt nur interessant. Wenn wir nicht der gängigen Schönheitsnorm entsprechen, dann sind wir es überhaupt nicht wert angesprochen zu werden. Da kann mir so ein Pick up Artist erzählen was er will, einfach nur sein Selbstbewußtsein aufbauen will da sicher niemand. Denn dann wäre ja auch das Aussehen erstmal egal.
Alles was ich diesen Kerlen entgegenschreien möchte ist: Frauen sind keine Ware, Frauen freuen sich über echtes Interesse. Mit solchen Typen will ich einfach nichts zu tun haben. Mir kommt mein Mittagessen hoch, wenn ich darüber nachdenke, wie diese Typen sich gegenseitig auf die Schulter klopfen und prahlen, wen sie schon so im Bett hatten und wie sie es angestellt haben.


Ich fühlte mich, nur dadurch, dass ich dieses Gespräch immer wieder mitbekam schon beschmutzt und angewidert. Ich wollte den Beiden etwas entgegensetzen, aber mir fiel nichts ein. Das hat sich bis jetzt nicht geändert. Ich zermartere mir den Kopf, was ich hätte sagen können, aber es fällt mir für diese Situation rein gar nichts ein. Alles was ich möchte, ist diese Bewegung stoppen, um zu verhindern, dass meine Tochter später von solchen Männern belästigt wird. Das ist auch der Grund, warum ich darüber so lang und breit gebloggt habe. Ich kann durchaus verstehen, dass einige denken "hä, das passt doch gar nicht in einen Elternblog!" Aber: Ich finde das wichtig, ich möchte, dass meine Tochter nicht auf solche Typen trifft.

Wie geht es euch damit? Habt ihr sowas schon mal erlebt? Und wie geht ihr damit um? Wie stärkt ihr eure Kinder, damit sie sowas kalt lässt - ich schreibe bewusst Kinder, weil ich denke, dass auch Jungs nicht wirklich zu Pick up Artits werden wollen.

Kommentare:

  1. Ich kenne diese und ähnlich Situationen sehr gut. Deshalb mache ich mir jetzt auch schon Gedanken dazu und hoffe immer, dass ich es schaffe meinem Sohn die richtigen Werte, Akzeptanz und Respekt anderen gegenüber zu verinnerlichen. Genauso das nötige Selbstwertgefühl um zu der eigenen Meinung sowie Einstellung zu stehen und standhaft zu bleiben.

    Doch wenn man das, was du zum Beispiel beobachtet hast, sieht, hört oder mitbekommt, dann denke ich oft es könnte schwer werden. Wie viele andere Faktoren spielen eine Rolle, dass die Kinder, Jugendliche und Erwachsene genauso werden. Was mir bleibt, einfach versuchen die richtigen Werte fest in den Kopf von meinem Sohn einhämmern und immer für ihn da sein. Und hoffen, dass er nicht so wird;)

    Alles Liebe Sina

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    1. Liebe Sina,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Es tut sehr gut zu lesen, dass ich mit meiner Angst nicht allein bin, sondern sich auch "Jungs"mamas darum Gedanken machen. Ich kann natürlich auch nicht in die Zukunft sehen, aber ich wünsche dir, dass es dir bei deinen Kindern gelingen wird. Wenn man sich bewußt ist, dass man sowas für seine Jungs nicht möchte, dann schafft man es vielleicht ja auch.
      Ich veruteile ja nicht, dass sich Männer gegenseitig das Selbstbewusstsein stärken, sondern, dass sich es sich stärken indem sie Frauen ins Bett quatschen. Das macht doch keinen selbstbewussten Mann aus!

      Liebe Grüße und ich wünsche dir alles Gute für die Erziehung deiner Kinder (hast du nicht zwei Jungs?)

      Andrea

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  2. wie grässlich :-( Am besten die Kinder zu selbstbewussten, intelligenten Menschen heranziehen, die nicht auf so eine Masche reinfallen. Urgs. Bildung. Offene Worte und ein offenes Ohr der Eltern. Ich glaube und hoffe: Das macht es aus, dass auch ein junge Mädchen nicht auf so ein Gelaber reinfällt. Andererseits auch: Bildung und ein offenes Ohr, damit ein (junger?) Mann nicht so einen Stuss von sich geben muss.

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    1. Liebe Mama on the rocks,

      ja, grässlich. Und ich glaube, genau wie du, dass wir es mit einem offenen Ohr und offenen Worten schaffen können. Allerdings: Wer weiß das so genau. Ich bin mir sicher, dass auch die Eltern von Großstadtboy DAS nicht für ihren Sohn gewollt haben.
      Ich denke, dass es vielleicht auch wichtig ist, unseren Kindern Selbstbewusstsein mitzugeben. Sie aufzubauen und ihnen zeigen, dass sie für sich selbst einstehen können.

      Liebe Grüße,

      Andrea

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